Montag, 30. Dezember 2013

Jenseits der schwarzen Berge: Statusupdate vom 29.12.2013




Es geht weiter voran! Jetzt, wo ich meinen Rechner neu aufgesetzt habe und nicht mehr eine halbe Stunde warten muss, bis sich der Gimp oder Scribus öffnen, kann ich endlich die Aufgaben angehen, die schon für sich allein genommen eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Nachdem sich Windows acht davon überzeugen ließ, dass es mein Grafiktablet wieder erkennt und ich in meinem Fontmanager die Fontgruppe für JdsB neu eingerichten konnte, die den Wechsel auf Windows acht ebenfalls nicht überstanden hatte, war ich endlich soweit, die Musterseiten für das Buch anlegen zu können.

Man könnte sich jetzt fragen, "Wozu soll das gut sein? Fang doch einfach an, zu layouten!", doch die Antwort darauf ist einfach: Mithilfe der Musterseiten und der Layoutbibliothek habe ich einmal alle Layoutelemente angelegt, die des öfteren wiederkehren (Zum Beispiel die Seiten für die Bilder, die Kapiteleinleitung etc.), so dass ich nicht immer wieder alles von neuem einrichten muss. Ich hätte das Ganze natürlich auch über Copy and Paste erledigen können, aber das birgt die Gefahr, dass eventuell Teile beim Kopieren verschoben oder gar nicht mitkopiert werden. Nachdem ich eine Musterseite angelegt habe, sieht das Ergebnis immer gleich aus und Änderungen, die ich an der Musterseite mache, werden automatisch von all ihren Ablegern übernommen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass ich die Vorlagen für spätere Projekte weiterverwenden kann, was insbesondere deswegen von Bedeutung ist, weil JdsB nicht der einzige Band der Legenden von Thamat bleiben soll.

In der Leseprobe könnt ihr euch ein Bild davon machen, wie das Buch einmal endgültig aussehen soll.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Plot-Organisation mit Mindmaps

Die Arbeitsfläche von Freeplane              Foto: Wikipedia
Ich verwende ja schon seit einiger Zeit Mindmaps, um die Möglichkeiten einer Plot-Idee auszuloten. Normalerweise benutzte ich dafür nicht den den Computer, weil ich die Verbindung zwischen Mindmaps und der Arbeit am Bildschirm kontraintuitiv finde. Eigentlich sind hier für mich Papier und Marker die Mittel der Wahl. Doch jetzt habe ich Freemind bzw. Freeplane für mich entdeckt. 

Freemind bzw. sein Nachfolger Freeplane sind Mindmapping-Programme, was allein für sich betrachtet noch nicht weiter spektakulär wäre. Man kann einzelne Begriffs-Felder aufmachen,  an denen wiederum in weiteren Verästelungen neue Begriffe angehängt werden können. In einem zusätzlichen Editorfeld im unteren Drittel des Bildschirms kann man zu jedem Knoten des Mindmaps umfangreichen Text eingeben. Die einzelnen Begriffe dienen quasi als Überschriften. Insofern macht das Programm genau das, was man von ihm erwarten kann. 

Interessant wird das Ganze dadurch, dass sich die Mindmap in eine OpenOffice-Writer-Datei exportieren lässt. Dabei baut Freeplane/-mind aus den Verästelungen des Diagramms automatisch eine Gliederung inklusive Nummerierung auf mehreren Ebenen zusammen, was erstaunlich gut funktioniert. Für mich bedeutet das, dass ich aus dem Brainstorming heraus direkt in die Arbeit am Text übergehen kann, ohne händisch die Verästelungen der Mindmap in eine lineare Gliederung bringen zu müssen. Das ist insbesondere für Sachtexte praktisch, da man auf diese Weise zum Beispiel schnell einen Rohentwurf einer Magisterarbeit oder ähnliches konzipieren kann.

Freeplane ist auf jeden Fall eines der Programme,  die ich in meinen festen Fundus nützlicher Software aufnehmen werde.

Samstag, 30. November 2013

Kunst und Kohle

Kassensturz                   Foto: Rainer Schütz | Pixelio
Auch wenn die Headline des heutigen Posts suggeriert, dass es um ein Ruhrgebietsthema gehen könnte, ist das nicht der Fall. Es geht tatsächlich darum, wo man sich informieren kann, wie man mit dem Geld umgeht, dass man mit etwas Glück mit den eigenen Texten verdient. Irgendwann kommt nämlich auch das Finanzamt auf die Idee, dass Autor-sein nicht nur ein Hobby ist, sondern eine Profession (wenigstens aber ein Nebenberuf). Für diesen Fall haben der Haufe Verlag und das Bayerische Staatsministerium für Finanzen zwei Broschüren herausgegeben, die einem Autoren in Steuerfragen weiterhelfen können.

Die 'Steuertipps für Künstler' des bayerischen Staatsministeriums für Finanzen geben ganz allgemein Hinweise, was man als Künstler in Sachen Geld verdienen alles beachten muss, wobei das Heft sich auch mit solchen Dingen wie Altersvorsorge (Künstlersozialkasse) oder Grundsicherung (in den Zeiten, wo kein Geld fließt) befasst.

Die 'Steuertipps für Autoren' aus dem Haufeverlag gehen dagegen gehauer auf autorenspezifische Steuerfragen ein. Der Text ist vor allem recht ausführlich,  was die Themen Umsatzsteuer, was kann ich absetzen und wie mache ich eine Abrechnung, die das Finanzamt auch ernst nimmt, angeht.

Daneben gibt es noch die Broschüre 'Alles, nur kein Unternehmer?' der Initiative Kreativwirtschaft, die weitere Informationen zum Thema Gründen in der Kreativbranche bietet.

Jeder der drei Texte ist als kompakte Einführung in die Themen Steuern und Autoren (Selfpublisher) als Unternehmer in jedem Falle lesenswert, um einen ersten Überblick zu bekommen. Sie lohnen sich für jeden Autoren, der das Schreiben nicht mehr nur als Hobby betreiben, sondern seine Autorenschaft professioneller angehen will.

Rechtlicher Hinweis:
Dieser Beitrag kann und will nicht eine Steuer- oder Rechtsberatung ersetzen. Er dient lediglich als Hinweis auf an anderer Stelle hinterlegtes Informationsmaterial. Für das an den genannten Stellen hinterlegte Material sind allein die herausgegebenden Stellen verantwortlich. Für rechtssichere Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Donnerstag, 21. November 2013

Jenseits der schwarzen Berge - Statusupdate



Eigentlich hätte mein Buch schon längst im Layout befindlich sein sollen, aber wie so oft lösen sich die schönsten Pläne in Wohlgefallen auf, wenn sie mit der Wirklichkeit in Berührung kommen. Das Weihnachtsgeschäft werde ich aller Wahrscheinlichkeit verpassen, aber immerhin habe ich jetzt die Endkorrekturen am Manuskript vorgenommen. 

Was also ist passiert? 

Wie zu erwarten eine ganze Menge. Nach der Unknown 2013 bin ich erst einmal krank geworden. Dann gab es in den letzten drei Monaten viel auf der Arbeit zu tun (wir hatten zwei dicke Hefte, einen engen Zeitplan und noch ein Buchprojekt dazu (jedes Heft hat rund 300 Schreibmaschinenseiten, das Buch selbst kam auf rund neunhundert Druckseiten), so dass ich zugegebenermaßen am Abend oft zu erschöpft war, um mich noch an den Rechner zu setzen. 

Auch in der Familie gab es noch einiges zu tun. Alex, meine Frau,  musste im Oktober ins Krankenhaus, weil sie so gerade eben an einem Bandscheibenvorfall vorbeigekommen ist, so dass ich mich um andere Dinge kümmern musste. Nachdem sie dann wieder auf dem Damm war, hatte sich meine Jüngste entschlossen, Stuntfrau zu spielen,  indem sie versuchte, auf dem Spielplatz auf eine in voller Fahrt befindliche Drehscheibe zu springen. Das endete dann mit einer geprellten Kniescheibe und dem Verdacht auf einen Meniskusriss. Gott sei dank hat sich dann aber herausgestellt, dass außer der Prellung nichts geschehen war. Trotzdem war natürlich in dieser Woche nichts mehr mit schreiben. 

Inzwischen sitzt meine Angetraute, wie das ihr Job als Lehrerin so mit sich bringt, Tag und Nacht an Bergen von Klausuren, die korrigiert werden wollen (Wer behauptet, Lehrer hätten um zwei Uhr Feierabend, hat einfach ein Rad ab). Bleibt also auch wieder nicht viel Zeit, um zu schreiben oder etwas am Blog zu tun.

Und so geht das weiter ... Mal sehen, vielleicht wird es ja bis Ostern was. Ich habe jedenfalls keine Lust, mir selbst Druck zu machen. schließlich soll das Endprodukt ordentlich werden.

Euer Georg.

Freitag, 8. November 2013

[DB]: Der Aufzug des Grauens

Bahnhof Essen-Stadtwald | Quelle: Wikipedia

Wie manche vielleicht wissen, fahre ich regelmäßig (mit der Betonung auf mäßig) mit der Deutschen Bahn zur Arbeit. Heute bin ich der Bahn zu Dank verpflichtet, denn sie hat dafür gesorgt, dass ich meine gute Tat für diesen Tag schon am frühen Morgen tun konnte. 

Als ich den Weg zum Bahnhof herunterlief, sah ich, dass im zum Bahnhof gehörenden Aufzug (So ein schickes, gläsernes Modell, in das man von allen Seiten herein- bzw. herausschauen kann) eine Gruppe von vielleicht acht bis neun Kindern feststeckte. Davor sprangen die Kinder herum, die es nicht mehr in den nicht besonders großen Aufzug geschafft hatten und nun offensichtlich in Panik waren.

So weit so gut: Ich gehe also hin und frage, ob ich ihnen helfen kann und ob Jemand kommt, um die Kinder aus dem Aufzug zu befreien. Die Kinder eröffnen mir dann, dass Sie seit einer halben Stunde auf jemanden warten und schon mehrmals bei der Bahn angerufen hätten. Da die Jungs und Mädels nun nicht unbedingt Abiturienten waren und sich deshalb einer eher rustikalen Ausdrucksweise bedienten, bin ich mal davon ausgegangen, dass die Bahnbeamten in der Notrufzentrale sich ungefähr Folgendes gedacht haben werden: »Oh Gott, schon wieder so'nn paar pubertierende Spacken, die dumme Witze reißen...«

Wie dem auch sei – Seit einer halben Stunde hatte sich nichts getan. Also denke ich mir, helf' den Kindern und sprich selbst mit der Bahn, vielleicht nehmen sie einen Erwachsenen ja ernster, und gehe zur nächsten Notrufsäule, die nur ein paar Schritte weiter steht. Die wiederum zeigt auf ihrem Display, dass sie »AUSSER BETRIEB« ist. Gut, kann vorkommen, also gehen wir zur nächsten, es gibt ja noch mehr davon auf diesem Bahnhof. 

Was ich allerdings nicht bedacht hatte, war, dass wenn etwas bei der Bahn kaputtgeht, es wirklich gründlich kaputtgeht. Das heißt, auch die anderen Notrufsäulen waren ebenso kaputt wie die erste. Mein Handy hatte ich auch nicht dabei, weil ich es Anfang der Woche habe fallen lassen, was es mit seinem promten Exitus beantwortet hatte (die Bahn war ausnahmsweise am Tod meines Handys nicht beteiligt). Also bin ich Notrufsäulen- und Handy-los wieder zu den Kindern zurück, um sie zu beruhigen und nachzufragen, ob sie denn schon die Polizei angerufen hätten, vielleicht würde die ja besser zuhören als die Bahn. Inzwischen hatte eines der Kinder auch bei unseren Freunden in Blau angerufen, die auch schon bald kamen und das Problem mithilfe einer leuchtendroten Brechstange lösten. Das Schauspiel endete dann damit, dass der von erleichterten Kindern umringte Polizist dem langsam um die Ecke schlurfenden Bahntechniker, der dann doch endlich vorbeikam, freundlich die Hand schüttelte und ihm einen guten Tag wünschte.

Was mich allerdings furchtbar geärgert hatte, waren meine lieben Mitmenschen, die nichts besseres zu tun hatten, als mit blödem Gesichtsausdruck an dem Aufzug vorbeizugehen, ohne irgendetwas zu tun. Am besten war die dreiköfpige Familie in ihrem VW-Minivan, die Minutenlang unmittelbar neben dem Aufzug stehenblieb, bis ich um die Ecke kam und mit den Kindern redete. In diesem Moment musste die VW-Familie vom TEAM-Geist erfasst worden sein und sich gedacht haben »Toll, ein anderer machts!«. Papa schritt also zur Tat, startete den Motor des Autos und fuhr schnurstracks vom Parkplatz des Bahnhofs, um nie wieder gesehen zu werden.

Ich danke ihm für sein soziales Engagement!

Samstag, 2. November 2013

Aetherhertz von Anja Bagus: Independent-Steampunk der Extraklasse

Independent-Romane haben oft den Ruf, eher von zweifelhafter Qualität zu sein. Dass das nicht so sein muss, zeigt der Roman Aetherhertz von Anja Bagus, von dem ich sehr beeindruckt gewesen bin. Ich habe bisher wenige Independent-Romane gesehen, die ähnlich gut gemacht sind wie der Roman von Anja.

Bevor wir zum eigentlichen Interview kommen, möchte ich noch eine kurze Vorbemerkung machen. Aetherhertz spielt in einer sogenannten Steampunk-Welt, in der die Technologie eine Entwicklung genommen hat, die die Vision der Zukunft weiterdenkt, wie sie von Autoren wie Jules Verne Ende des 19. Jahrhunderts entworfen wurde. Üblicherweise werden Geräte in Steampunk-Erzählungen mit Dampf angetrieben. Ätherhertz bekommt seinen besonderen Dreh unter anderem dadurch, dass die treibende Kraft hinter den Gerätschaften eine Substanz namens Äther ist, die nicht nur Maschinen antreiben, sondern auch Menschen verändern kann. Diese Veränderungen und ihre Auswirkungen nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf die Gesellschaft, sind der Dreh- und Angelpunkt, um den herum sich Aetherhertz dreht. Doch nun lange genug um den heißen Brei geredet, lassen wir Anja selbst zu Wort kommen:

LF: Hallo Anja, schön, dass du die Zeit gefunden hast, dieses Interview mit mir zu führen. Du hattest mir auf der Unknown 2013 gesagt, dass Ätherhertz als NaNoWriMo-Projekt das Licht der Welt erblickt hat. Hast du davor schon kürzere Geschichten geschrieben oder ist dein erster Roman auch die erste Story, die du geschrieben hast?

Anja Bagus: Ich hab irgendwo einen angefangenen Sci-Fi Roman, aber das ist über 10 Jahre her. Seither habe ich nichts mehr geschrieben. Dann habe ich eine Kurzgeschichte für eine Steampunk Anthologie geschrieben, die noch nicht erschienen ist, und eben Aetherhertz.

LF: Dein Roman spielt ja in einem alternativen 1910. Wieviel Recherche hast du für das Setting betrieben, in dem Aetherhertz spielt, um deine Story authentisch erscheinen zu lassen?

Anja Bagus: Das meiste hab ich aus Wikipedia, bzw. einem Baden-Badener Stadtführer. Ich kenne die Stadt sehr gut aus meiner Jugend und bin ja am Rande des Schwarzwalds aufgewachsen. Die Sache mit der Zeit ... nun, irgendwie habe ich mich da oft auf mein Gefühl verlassen, und offenbar mit vielem Recht gehabt.

LF: Du hast mit Aetherhertz einen schriftstellerisch und technisch professionellen Roman abgeliefert. Was unterscheidet in deinen Augen Aetherhertz von anderen Steampunk-Romanen?

Anja Bagus: Steampunk ist oft nur ein Label, unter dem ein Abenteuer- oder ein Liebesroman verpackt wird. Aber die wahre Essenz von Steampunk, die habe selbst ich noch nicht so richtig einfangen können. Ich bin trotzdem oft genervt davon, dass alles mit "Dampf" betrieben werden soll. Das ist doch in der Realität leider sehr unhandlich. Daher kam ich auf den Aether (keine neue Idee, aber bei mir ist er halt ein wenig was Anderes ...).

LF: Was vermisst du an anderen Steampunk-Romanen?

Anja Bagus: Oje ... also sie sind mir oft zu klischeehaft. Ich mag es mir etwas auszudenken, was wirklich möglich wäre, und dann zu schauen, was sich daraus entwickelt, wenn man das Setting ändert. Aber es muss halt glaubhaft sein. Dampf um des Dampfes willen ist irgendwann langweilig.

LF: Würde Aetherhertz auch funktionieren, wenn die Geschichte in ein anderes Genre - z.B. klassische Science-Fiction oder Horror - versetzen würde?

Anja Bagus: Ich glaube schon. Inzwischen wird mir ja schon vorgeworfen keinen "Steampunk" geschrieben zu haben, sondern "Aetherpunk" ... Ein eigenes Genre zu gründen ist natürlich schmeichelhaft, aber so weit würde ich nicht gehen. Und amazon kategorisiert Steampunk tatsächlich unter Science-Fiction. 

Independent aus freien Stücken


LF: Machen wir einen Schlenker von deinem Roman zu dir selbst: Was hat dich dazu bewogen, Independent-Autorin zu werden?

Anja Bagus: Die Möglichkeit. Also seit kurzem gibt es eben erst die Möglichkeit, und ich wollte das Experiment wagen. Ich hatte keine Lust, mir den Spass durch Absagen vermiesen zu lassen. Ich wollte die Leser selbst entscheiden lassen.

LF: Du hast ja im Gegensatz zu manch anderen Independent-Autoren eine eigene, kleine Fangemeinde. Welche Kanäle sind für dich wichtig, um in Kontakt mit deinen Fans zu bleiben?

Anja Bagus: Ja, das Wort "klein" ist ein Stichwort. Steampunker sind noch eine Subkultur, und gut zu erreichen über das Internet. Wir treffen uns in Foren und natürlich auch in "echt", weil wir Spass an unseren Kostümen und Basteleien haben. Da war es leicht, eine Verbindung zu bekommen und zu halten. Ich bin Administratorin des größten deutschen Steampunk Forums (Rauchersalon vom Clockworker) und biete auch auf Facebook viele Möglichkeiten, auf dem Laufenden zu bleiben.

LF: Nutzt du Facebook und Google + auf unterschiedliche Weise?

Anja Bagus: Ja. Eigentlich nutze ich fast nur Facebook. Google+ würde ich gerne häufiger nutzen, aber Facebook macht es mir so viel leichter ... 

LF: Das alles kostet Zeit. Wieviel Zeit bleibt dir neben Beruf und Familie zum Schreiben?

Anja Bagus: Ich schreibe ja quasi "Vollzeit". Ich habe im moment keine andere Arbeit. Dank meines Mannes darf ich mich ganz auf meinen Erfolg konzentrieren.

LF: Was tust du, um die Zeit, die du zum Schreiben hast, möglichst gut zu organisieren?

Anja Bagus:Ich bin sehr diszipliniert und arbeite wirklich lang. Zu lang oft. Die Versuchung ist groß, den ganzen Tag am Rechner zu sitzen.

LF: Ganz zum Schluss noch eine Bitte: Hast du einen Tip für die Leute da draußen, die noch keinen Roman veröffentlicht haben?

Anja Bagus: Habt keine Angst, aber Respekt. Habt Respekt vor den Lesern, den anderen Autoren, den Bloggern und überhaupt allen Menschen gegenüber, die ihn verdient haben. Gebt aus Respekt euer Bestes, und das bedeutet vor allem: vergeudet niemandes Zeit mit unausgegorenen Ideen und Projekten, die noch nicht fertig oder spruchreif sind. Wer etwas geleistet hat, darf ruhig stolz herumstolzieren und gackern, dann muss man aber weiter machen und nicht stehen bleiben. Also, schreiben, schreiben, schreiben.

LF: Anja, ich danke dir für das Gespräch.

Freitag, 18. Oktober 2013

Aphorismus des Tages


Die braven Bürger mögen ihr Leben in Wohlstand verbringen, aber es sind die Träumer, von denen man noch in Jahrhunderten spricht.

Sonntag, 29. September 2013

Personal Kanban für Autoren


Gerade wenn man ein großes Projekt wie ein Buch startet, stößt man mit der Methode, einfach draufloßzuschreiben schnell an Grenzen - bestenfalls kommt ein schlechtes Buch dabei heraus. Meist ist es so, dass man, sofern man sich die Arbeit nicht schon vorher gemacht hat, spätestens bei den ersten Überarbeitungen beginnt, an der Struktur des Textes herumzufeilen. Die Kanban-Methode ist ein praktisches Hilfsmittel dafür, wie man bei einem großen Buchprojekt den Überblick behält.

Kanban wurde von Toyota erfunden, um den Produktionsprozess ihrer Autos möglichst effizient und  hochwertig zu gestalten. Grund war, dass in Japan Platz kostbar ist und die Lagerhaltung daher möglichst klein gehalten werden sollte. Da aber ein kleines Lager bedeutet, dass man nur wenige Teile als Ersatz für Ausfälle hat, musste Ausschuss so weit wie möglich vermieden werden. Dies wurde dadurch erreicht, dass die Produktion jedes Autos in einzelne Prozessschritte aufgeteilt wurde, die man auf eine Karte (Kanban) vermerkte. Nach jeder Station wurde der jeweilige Prozessschritt abgehakt, so dass jeder auf einen Blick sehen konnte, wie weit das Stück in der Produktion vorangekommen war.

Was haben Autos mit Büchern am Hut?

Wie aber kommt man vom Auto auf das Buch? Der Weg führt  über das Aufteilen des Prozesses in Stationen. Ein Roman lässt sich zum Beispiel folgendermaßen aufteilen: 

Erstes Konzept -> Recherche/Ideensammlung -> Rohentwurf -> Erste Revision -> zweite Revision ... nte Revision -> Lektorat -> Layout -> Korrektur der Druckfahnen -> Druck.

Eine andere Variante  ist, das ganze so zu differenzieren, dass man den Prozess nicht für das ganze Buch sondern für einzelne Kapitel einrichtet. Das macht besonders dann Sinn, wenn man ein großes Projekt in Angriff genommen hat oder mit vielen an einem solchen arbeitet (bspw. bei einer Anthologie). Das folgende Bild zeigt den Prozess für die Abläufe in einer Zeitschriftenredaktion, es lässt sich aber ohne weiteres auch auf andere Projekte übertragen. 
Personal Kanban mit asana.com

HI FI und LO FI


Im links gezeigten Bild nutze ich die Web-App asana.com. Diese bietet einen kostenlosen Zugang für bis zu 15 Mitarbeiter bei einer unbegrenzten Anzahl von Projekten. Entscheidend ist aber, dass man die Tasks sogenannten Sektionen zuordnen kann. Aufgeteilt ist das Ganze nach Autoren, die als einzelne Tasks unter die jeweilige Sektion eingeordnet werden. Hat einer der Artikel einen der Arbeitsschritte hinter sich, wird er einfach in die nächste Sektion verschoben, so dass man immer auf dem aktuellen Stand ist, wo in der Produktionskette die Texte gerade stehen. Daneben lassen sich Abgabetermine und weitere Informationen dem einzelnen Artikel zuweisen, auf die dann die Mitarbeiter des Projekts zugreifen können. Man kann sogar Dateien an einen Task anhängen.

Wem Webanwendungen suspekt sind, oder wer eine Low-Tech-Variante (ausfallsicher!) vorzieht, kann Kanban aber auch ganz simpel mit einfachsten Mitteln umsetzen. Dazu braucht man z. B. nicht mehr als eine einigermaßen große Pinnwand, Zettel und Heftzwecken. Die Pinnwand unterteilt man in die einzelnen Prozessschritte, auf die Zettel wird die jeweilige Aufgabe geschrieben. Dieser wird dann an die Wand gepinnt. Mit jedem Schritt, den eine Aufgabe vollendet hat, wandert der Zettel eine Station weiter. 

Ein selbstgebasteltes Kanban-Board
Natürlich kann man sich noch weitere Varianten denken, zum Beispiel eine Tafel, ein Flipchart, auf dem man die Stationen abhakt, oder ein Whiteboard mit Markern für die, die es gerne groß mögen. Letztendlich ist das Prinzip so flexibel, dass sich jeder die zu ihm passende Umsetzung aussuchen kann. 

Ein gewisses Maß an Ordnung und Durchhaltewillen vorrausgesetzt, hat man so jederzeit den Überblick, wo das Projekt gerade steht. Das es funktioniert, weiß ich aus meiner praktischen Arbeit, wo es mir jeden Monat dabei hilft, nicht den Überblick über bis zu dreißig oder mehr Artikel pro Heft (das sind umgerechnet etwa 300 Schreibmaschinenseiten pro Monat) zu verlieren. 

Donnerstag, 12. September 2013

Unknown 2013 - Ein Rückblick


Warum eine Buchmesse besuchen, die kleiner als die Frankfurter oder Leipziger Buchmesse ist? Das ist eine Frage, die sich viele stellen werden, die selbst schon mal ein Buch schreiben wollten. Tatsächlich ist das aber falsch gedacht, denn auch eine kleine, noch unbekannte Buchmesse kann ihre Vorteile haben. im heutigen Post will ich über meine Beweggründe für meine Teilnahme an der Unknown 2013 berichten und darüber, inwieweit ich meine Ziele erreicht habe.

Mein erstes und wichtigstes Ziel war, Kontakte zu knüpfen und Leute kennenzulernen.  Das ist mir definitiv gelungen. Ich habe einige Autorenkollegen kennengelernt,  und Kontakte zu Verlagen geknüpft.  In diesem Punkt habe ich also mein Plansoll erfüllt. Gewissermaßen als Bonus bin ich nun im Organisationsteam der Messe an der Planung des nächsten Events beteiligt.

Das zweite Ziel war, mein Buch zu bewerben. In Anbetracht der Tatsache, dass die Unknown 2013 die erste Veranstaltung ihrer Art war, bin ich nicht davon ausgegangen,  dass sich wahre Menschenfluten durch die Gänge wälzen.  Ich hatte deshalb nur wenig Werbematerial zusammengebastelt - insgesamt rund 20 Leseproben und 40 Flyer. Von den Leseproben sind neun Stück mitgenommen worden,  ich habe also eine Quote von fast fünfzig Prozent gehabt.  Ich denke, für ein Buch,  dass noch erst habe ich damit einen guten Schnitt gemacht.  Jenseits der schwarzen Berge scheint also nicht nur mich,  sondern auch andere zu interessieren. 

Außerdem habe ich dazugelernt. Ich werde keine Lesung mehr halten,  wenn es mir schon am Morgen nicht gut geht. Das ist dann kein angenehmes Erlebnis für mich und meine Zuhörer. Da ist es besser, nichts zu erzwingen. Ich werde in Zukunft eine Lesung absagen, wenn ich mich krank fühle.

Alles im allem lässt sich festhalten, dass die Messe sich für mich bereits gelohnt hat. Spannend wird auf jeden Fall, die zukünftige Entwicklung der Unknown zu beobachten. Der Start war jedenfalls vielversprechend.

Sonntag, 8. September 2013

Unknown 2013 Buchmesse in Essen

Geschaft! Der letzte Tag der ersten Unknown 2013 ist mit interessanten Gesprächen zwischen interessanten Leuten zu Ende gegangen.  Ich hatte Gelegenheit,  viele Kontakte zu knüpfen,  außerdem gibt es noch etwas Positives zu berichten: 

Bernd Badura , manchem vielleicht bekannt als Betreiber des Tintenkleckser-Blogs hat einen Verlagsvertrag für sein Buch Die Werke eines großen Meisters aushandeln können.  Britta Wisniewski wird das Buch in das Programm des Traumstundenverlages aufnehmen.  

Herzlichen Glückwunsch!








Samstag, 7. September 2013

Aphorismus des Tages

Als sie sich zur perfekten Frau operiert hatte, fiel ihr auf, dass sich von sich alles abgeschnitten hatte, was interessant an ihr war.

Sonntag, 1. September 2013

Elevation zero – Absturz über fernen Welten

Der Weltraum war ein schwarzes Tuch, auf das eine unsichtbare Hand zahllose Diamanten gestreut hatte. Einer dieser winzigen Punkte im unendlichen Gewebe von Raum und Zeit wurde von einem weiteren, amethystfarbenen Punkt umkreist, zu klein, um mit dem bloßen Auge wahrgenommen zu werden. So wäre es auch nicht verwunderlich gewesen, wenn ein weit entfernter Beobachter die bläulich-violette Leuchterscheinung im Schatten des Planeten nicht bemerkt hätte. Es war das Aufleuchten eines Hyperraumfeldes – der Punkt, an dem überlichtschnelle Teilchen in unser Universum eindrangen und ihre überschüssige Energie als Licht aussandten. Dann war das Leuchten verschwunden. An seiner Stelle schwebte ein Raumschiff im Orbit des Planeten. Es war ein alter Gormok TK-65-Frachter uccanischer Bauart, der nun von der Schwerkraft des Planeten erfasst wurde und langsam auf seine Oberfläche zutrieb. Im Inneren des Schiffes wurde zur selben Zeit hektisch gearbeitet.

»Ich kann die Triebwerke nicht zünden!«, Nandhar Kamazin bearbeitete hektisch die Kontaktfelder der Steuerkonsole, »Die Piraten haben uns wohl schwerer erwischt, als ich gedacht hatte.«

Ekim arbeitete an der Konsole des Bordcomputers. Der Akkadji war ruhig und gelassen wie immer. Auch die gefährliche Situation, in der sie sich befanden, schien ihn nicht aus der Ruhe bringen zu können.

»Der elektromagnetische Impuls der Plasmageschosse hat die Steuerelektronik zum Absturz gebracht. Ich arbeite daran!«, er ließ einen weiteren Checkup durch den Computer laufen.

Dieser meldete sich zu Wort, modulationslos, mit weiblichem Klang, »Anflugwinkel inkorrekt. Gefahr eines Hüllenbruchs. Von Eintritt in die Atmosphäre wird abgeraten. Anflugwinkel korrigieren.«

»Danke! – Als ob wir das nicht schon vorher gewusst hätten...«, sagte Ryder Hook, »Gefolgt ist uns von den Scheißpiraten keiner. Aber der Schutzschirm ist wrack. Raketen haben wir auch keine mehr. Die Geschütze steuerbord und achtern sind heißgelaufen. Wenn jetzt einer kommt, sind wir am Arsch!«

Ekim grinste schief, während er weiter an der Computerkonsole arbeitete, »Das werden wir so und so sein, wenn ich die Triebwerke nicht wieder starten kann.« Er gab dem Computer ein paar weitere Befehle, runzelte die Stirn, beugte sich noch weiter über das Eingabefeld, tippte auf die verschiedenen Symbole des Touchscreens ein. Dann richtete er sich wieder auf, machte mit Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand einen Kreis und schlug mit der flachen Linken darauf, »Ich hab´s!« Wäre er nicht angeschnallt gewesen, hätte er vor Freude einen Luftsprung gemacht.

Die Stimme des Computers verkündete, »Steuerdüsen sind online. Systemfehler in Haupttriebwerkselektronik. Wartung erforderlich. Steuern sie ein autorisiertes Wartungsdock an.«

Ryder Hook trat heftig gegen die Konsole des Waffenkontrollstandes, »Scheißcomputer! Wo sollen wir hier ein Raumdock finden!«

»Leute, beruhigt euch! Alles wird gut. Ich kann uns auf einen Landekurs bringen, aber das wird hart. Haltet euch schon mal fest!«, Nandhar lenkte das Schiff auf einen Kurs, der es in einem flachen Winkel durch die Atmosphäre des Planeten stürzen lassen würde. Beim Eintritt in die Atmosphäre würde es durch die Luftreibung stark abgebremst werden und schließlich in einer langen gebogenen Flugbahn auf die Oberfläche des Planeten zufallen. Waren sie erst einmal auf dem Planeten, konnten sie sich um die Schäden am Schiff kümmern, soweit sich diese mit Bordmitteln beheben ließen. Das katzenhafte Gesicht des Kathaners wirkte angespannt, als er kurz vor dem Eintritt in die Atmosphäre die Nase des Schiffes nach oben zog, um die flache Unterseite des Frachters dem Planeten zuzuwenden.

Erste rötliche Glutschlieren zogen an den aus Duranit gefertigten Cockpitfenstern vorbei und steigerten sich zu einem Vorhang aus orangeroter Glut, je weiter das Schiff in die Atmosphäre des Planeten vordrang. Es bebte, rüttelte und schüttelte sich wie ein wildes Tier, die Verbindungen und Streben in seinem Innersten ächsten und stöhnten, als ob es seinen Schmerz herausschreien wollte.

Der Computer gab emotionslos die Schiffsparameter durch, »Hüllentemperatur bei tausendsechshundert Grad Celsius, strukturelle Belastung bei vierzig Prozent ... Hüllentemperatur bei zweitausend Grad Celsius, strukturelle Belastung bei sechzig Prozent ... Hüllentemperatur bei zweitausenddreihundert Grad Celsius, strukturelle Belastung bei achtzig Prozent. Warnung: Belastung der Schiffssysteme kritisch! Hüllenbruch steht bevor.«

Dann hatte das Schiff wieder die obere Atmosphäre erreicht und zog in neunzig Kilometern Höhe in einer langgestreckten Bahn über den Himmel.

»Hüllentemperatur bei tausendachthundert Grad Celsius, strukturelle Belastung bei fünfzig Prozent. Geschwindigkeit über Grund: zwei Kilometer pro Sekunde, fallend.«

Der Raumfrachter sank weiter in die Atmosphäre hinab, mehr schlecht als recht von den Antigravprojektoren getragen. Immer wieder sackte die rechte Seite des Schiffes durch, so dass es beinahe ins Trudeln geriet.

»Ich kann das Schiff mit den Steuerdüsen stabilisieren, aber wir werden viel zu schnell runterkommen.«, sagte Nandhar, »Seht ihr denn See dort hinten?«, er nickte in Richtung des Cockpitfensters, »Mit etwas Glück kann ich uns auf der Wasseroberfläche aufsetzen lassen. In etwa so, als ob man einen flachen Stein über das Wasser springen lässt.«

»Und das soll funktionieren? Na dann herzlichen Glückwunsch!«

Nandhar legte den Raumfrachter in eine weite Kurve und kämpfte gegen das Rütteln der Maschine an, die nur etappenweise auf seine Steueranweisungen reagierte. Das Ding fliegt sich wie ein Backstein. Verdammt! Warum mussten wir uns auf ein's von Hooks Dingern einlassen. Idiot! Idiot! Idiot! Langsam kam die Oberfläche näher und er konnte eine Landschaft erkennen, die den Landschaften seines Heimatplaneten auf den ersten Blick verblüffend ähnlich sahen. Seltsam, wie sehr sich doch die Welten im Universum ähneln, schoss dem Kathaner durch den Kopf. Nun flog das Schiff entlang des Sees, setzte in einem flachen Winkel auf das Wasser auf, glitt in einer gischtenden Welle auf das Ufer zu, um sich dann mit dem Bug voran in den Boden des Strandes zu graben. Bevor ihm die Sinne schwanden, sah Nandhar, wie die Displays des Schiffes noch einmal aufflackerten und dann erloschen.

Als er wieder erwachte, lag er auf dem Boden des Cockpits. Sein Nacken schmerzte und er hatte das Gefühl sich übergeben zu müssen. Rotes, gedämpftes Licht erleuchtete den Raum. Die Notbeleuchtung! Er versuchte aufzustehen, ließ es aber bleiben, als er merkte, dass ihm schwindelig wurde, wenn er den Kopf auch nur leicht anhob. Also versuchte er es gar nicht erst weiter. Ruhig bleiben! Du liegst hier, dir ist kotzübel, aber du lebst. Und das ist, was zählt! Er atmete tief durch, schloss die Augen, blinzelte mehrmals und versuchte sich auf seinen Körper zu konzentrieren. Nandhar hörte Schritte, die auf ihn zukamen und sah schon bald in das Gesicht Ekims, der sich über ihn beugte.

»Schön, dass du wieder da bist.«, sagte Ekim. »Im Schiff scheint soweit alles in Ordnung zu sein. In der Kombüse sind ein paar Küchengeräte zu Bruch gegangen, aber sonst ist alles OK. Nur die Elektrik funktioniert nicht.«, Ekim deutete auf die Notbeleuchtung, die das Cockpit in rotes Licht tauchte. Sämtliche Displays und Sensorfelder waren schwarz.

»Und, alles klar mit dir?«, fragte der Akkadji und bot ihm die Hand, »Du bist ordentlich mit dem Kopf an die Konsole geschlagen.«

»Ja ja, es geht schon. Schwindlig ist mir ... Weißt du, was die Menschen sagen? – Katzen haben neun Leben. Anscheinend stimmt das auch für Kathani. Apropos Mensch, wo ist Ryder?«

»Irgendwo im Schiff. Er sucht nach Werkzeugen und anderen brauchbaren Dingen.«

Nandhar schloss die Augen. Er erinnerte sich daran, wie alles begonnen hatte. Der Anruf war überraschend und wie so oft unpassend gekommen: »Hi, hier ist Ryder! Hast du einen Moment Zeit?«. Nandhar hatte bedauernd auf die Schale Adeel-Nagh geschaut, die er sich aus seinem Kühlschrank geholt hatte und sie wieder zurückgestellt. »Ja, habe ich. Worum geht´s denn?«

»Ich habe da einen Auftrag an Land gezogen. Was, wo man schnell was nebenher verdienen kann.«

»Und das wäre?«, Nandhar spürte, wie die Nervosität in ihn zu steigen begann, Hooks Ideen endeten meistens darin, dass alle, die darin verwickelt waren, Schwierigkeiten der einen oder anderen Art bekamen.

»Ich soll ein Raumschiff von hier nach Thagata Secundus bringen. Ist ne ganz einfache Sache. Ein kleiner Frachter, der von einer Bergbaufirma im Astereoidengürtel verkauft worden ist. Jetzt sucht der Käufer jemanden, der das Schiff überführt.«

»Okeeey ... Und es gibt keinen Haken?«

»Nö. Ich habe die Papiere überprüfen lassen. Ist alles in Ordnung.«

Schließlich hatte sich Nandhar doch überreden lassen, sich den Frachter einmal anzuschauen. Das Schiff war alt, aber noch in einem brauchbaren Zustand gewesen, d. h. es würde die in der Föderation obligatorischen Überprüfungen noch gerade so überstehen. Gut genug also, um irgendwo am Rande des bekannten Weltraums von Planet zu Planet zu fliegen.

Dann waren sie geflogen. Nach dem fünften oder sechsten Hyperraumsprung waren sie den Piraten begegnet und nur mit knapper Not durch einen Rettungssprung entkommen. Und jetzt saßen sie auf irgendeinem Planeten fest, ohne zu wissen, wohin sie der Sprung verschlagen hatte. Ich hätte es besser wissen müssen.

Nandhar öffnete die Augen wieder. Er griff die Hand seines Freundes, kämpfte gegen den Schwindel und die Übelkeit an, zog sich hoch und stand.

»Hier, nimm den Scanner!«, Ekim drückte Nandhar ein kleines, gelbes Gerät in die Hand, an dessen Seite eine kurze, schwarze Antenne hervorragte. »Wir sollten in Verbindung bleiben können.«

Sie begannen, das Schiff zu untersuchen. Überall waren Paneele heruntergefallen und Fächer, deren Inhalt sich über den Boden der Kajüten verteilt hatte, aus ihren Verankerungen gerissen. In manchen Gängen hingen die Kabelbäume von den Decken.

»Hallo, hier ist Ryder. Kommt in den Laderaum achtern. Wir haben ein Problem!«

Nandhar und Ekim sahen sich an. Dann liefen sie los. Wenig später waren sie im hinteren Laderaum des Schiffes angelangt. Ryder stand über ein etwa menschengroßes Behältnis gebeugt, das offenbar hinter einem Wandpaneel verborgen gewesen war. Ekim und Nandhar traten neben Ryder. Der Kathaner zeigte auf den Behälter.

»Was ist das?«, fragte Nandhar.

»Eine Transportkapsel für Roboter. Wenn die Kodierung stimmt, war da ein Guerilla-Kampfbot drin.«

»Ein Guerilla-Bot?«

»Das ist ja großartig! Und wo ist er?«

»Ich habe keine Ahnung!«

»Wir müssen vorsichtig sein. Guerilla-Bots sind darauf programmiert, sich zu verbergen, um in einem unerwarteten Moment zuzuschlagen.«

Nandhar bleckte gereizt die Zähne, »Ich habe es geahnt! Schon als ich diesen Ughdan Tarkis zum ersten Mal gesehen hab, wusste ich, dass man ihm nicht trauen kann!«, er trat wütend vor den Transportbehälter, »Miese Ratte!«

Er erinnerte sich an sein erstes und einziges Gespräch mit Ughdan Tarkis, dem Betreiber der Asteroiden-Mine, einem vierschrötigen Ucca, dessen grau werdendes Fell von Narben durchzogen war, die er sich – vermutlich – bei der Arbeit auf den Asteroiden geholt hatte und die es räudig aussehen ließen.

»Ihre bringte meine Ziffe zu die Planete Thagata Secunduus, eh? Aahh, isse eine gute Ziffe, machte keine Probleme, weißtu? Ist das Ziffe angekome, ihr kriegte das Geld von mir.«, hatte er gesagt.

Schon damals hatte ihn Ughdan an eine Ratte erinnert. Normalerweise wurden Ucca eher als mausähnlich beschrieben, aber Ughdan hatte etwas an sich gehabt, dass Nandhar sofort an einen Kloakenbewohner hatte denken lassen.

»Die Piraten waren bestimmt von Ughdan engagiert. Versicherungsbetrug! Und falls der Überfall nicht reichen sollte, sollte der Roboter den Rest erledigen.«, Ekim kratzte sich am Kopf, »Verdammter Scheißdreck!«

Ryder war aufgestanden, »Kommt mit, ich habe noch ein paar Waffen in meinem Arsenal.«

Bald darauf waren sie bewaffnet und patroullierten durch das Schiff. Nirgendwo war eine Spur der Maschine zu finden, bis sie an eine der Außenschleusen kamen.

»Der Beschissene Roboter ist nach draußen. Warum?«

»Weil er so mehr Möglichkeiten hat, sich zu verbergen.«

»Und weil er weiß, dass wir bald rausmüssen, um die Schiffshülle zu untersuchen.«

»Lasst uns zuerst das Schiffsinnere in Ordnung bringen, so weit es geht.«

Am nächsten Tag hatten sie das Schiff weit genug repariert, um die Energieversorgung des Computers und der Lebenserhaltungssysteme wieder zum Laufen zu bringen. Jeder von ihnen hatte kaum geschlafen – zu groß war ihre Angst gewesen, der Roboter könnte sich Zutritt zum Raumschiff verschaffen.

Nun standen die drei in der Luftschleuse, Ryder und Nandhar hatten die Waffen im Anschlag, während Ekim einen mit allerlei Abfall ausgestopften Raumanzug vor sich her schob. Er drückte auf den Schalter, der die äußere Schleusentür öffnete und bugsierte vorsichtig den Raumanzug durch die Öffnung. Kaum hatte die improvisierte Puppe den Kopf durch die Luke gesteckt, da explodierte das Glas des Helms in tausende kleiner Splitter, die auf die in der Schleuse Wartenden herabregneten.

»Verdammt! Das Ding benutzt eine Railgun!«, sagte Ryder Hook,

»Der Schuss kam vom Waldrand.«

»Einer von uns sollte in den oberen Geschützturm und den Wald unter Beschuss nehmen. Die anderen schleichen sich durch die Heckschleuse und das Wasser nach draußen.«

»OK. Ich übernehme das Geschütz. Geht ihr nach draußen.«, Ekim drückte beiden die Hand. Kurz danach nahmen die Railguns des Geschützturmes den Waldrand unter Feuer. Die Geschosse flogen mit vielfacher Schallgeschwindigkeit durch die Luft und zogen Spuren ionisierten Gases hinter sich her, so dass die Szenerie fast einem dieser altertümlichen Science Fiction-Filme aus dem zwanzigsten Jahrhundert der Erde glich.

Zur selben Zeit öffnete sich am Heck des Schiffes eine weitere Luke. Zwei Gestalten schlüpften leise und vorsichtig in das Wasser des Sees. In der Zeit, in der Nandhar und Ryder sich entlang einiger Felsen und Büsche auf den Wald zu bewegten, wurden die Bäume an dessen Rand durch das Feuer der Bordkanone in winzige Splitter zerlegt. Ganze Baumwipfel brachen ab und stürzten krachend zu Boden. Das Spektakel würde der Roboter hoffentlich solange ablenken, dass sie eine Chance hätten, die Maschine aufzuhalten.

Ryder konnte den Roboter von seiner Position aus sehen, eine humanoide, in Tarnfarben gehüllte Gestalt, die anstelle des rechten Unterarms eine klobig aussehende Waffe montiert hatte, und sich langsam in ihre Richtung bewegte, ohne ihn oder Nandhar bemerkt zu haben. Er gab dem Kathaner ein Zeichen, dass er stillhalten sollte. Dann deutete er auf eine Gruppe von Felsen, die nur wenige Schritte entfernt lagen. Hook machte eine Geste, dass Nandhar zu den Felsen hinüberrennen sollte.

Nandhar nickte. Dann sprang er auf. Noch bevor er wieder auf dem Boden gelandet war, begann er zu schießen. Die Kugeln aus seiner Waffe schwirrten um den Roboter herum. Einige streiften das Chassis der Maschine, prallten aber wirkungslos von ihm ab. Dennoch lenkten die Treffer aus seiner ungezielten Salve die Maschine lange genug ab, dass er sich hinter die Felsen retten konnte.

Du springst, rennst schießend an dem Roboter vorbei, siehst die Kugeln, die funkenstiebend von ihm abprallen, siehst, wie der Arm der Maschine sich hebt. Dann bist du hinter den Felsen verschwunden und rollst dich ab. Ein Blitz! Steinsplitter regnen auf dich herab. Du hörst die klackenden Schritte der Maschine auf dich zukommen. Sie steht vor dir. Du blickst in ein einzelnes, rotglimmendes Linsenauge, das von kleineren Nebenaugen umgeben ist. Der Roboter hebt seine Waffe.

 Ryder sah, wie die Schüsse aus Nandhars Waffe wirkungslos abprallten, beobachtete, wie sein Freund gerade noch rechtzeitig hinter dem Felsen verschwand, um dem Schuss aus der Railgun des Roboters zu entgehen, der einen tiefen Krater in da Gestein riss. Hook zielte. Die Maschine hob ihren Arm zu einem zweiten Schuss, der den Kathaner töten würde. Dann zerplatzte der Kopf des Roboters in eine Wolke aus elektronischen Bauteilen. Ryder Hook hatte geschossen.

Du blickst in den Lauf der Railgun. Erwartest den Schuss, der nicht kommt. Stattdessen prasseln Plastikteile, Kabel und Elektroschrott auf dich herab. Der Torso der Maschine zuckt ein paar Mal unkoordiniert, dann bricht er zusammen. Du machst einen Sprung zur Seite und schaust auf die Überreste des Roboters hinab. Deine Ohren zucken vor Aufregung und du spürst, wie sich dein gesamtes Körperfell vom Kopf bis zur Schwanzspitze sträubt. Fauchend trittst du gegen das regungslose Chassis.

Hook trat neben Nandhar, der fauchend auf den auf den reglosen Körper des Roboters eintrat.

»Eine KOBI-TO-520 Infiltratordrohne. Ein ziemlich altes Modell. Hätte Tarkis etwas neueres auf Lager gehabt, wären wir ohne Chance gewesen.«

Nandhar sagte nichts, sah Hook fassungslos an. Dann schüttelte er sich und ging mit gesenktem Kopf zum Schiff.

Drei Wochen später hatten die drei Raumfahrer das Schiff wieder instandgesetzt, soweit es ihnen möglich gewesen war. An mehreren Stellen war die Außenhaut des Frachters notdürftig mit Teilen aus dem Schiffsinnern geflickt. Tage hatte es gekostet, das Schiff aus dem Ufersand auszugraben, Kabel neu zu verbinden und geborstene Schotts zu verschweißen.

 Nun war es soweit: Nandhar, Ryder und Ekim saßen auf ihren Plätzen und gingen die Startprozedur durch. Die Antigrav-Projektoren waren eingeschaltet und schirmten das Schiff vor der Schwerkraft des Planeten ab. Vorsichtig schob Nandhar den Schubregler nach vorne und ließ das Schiff von den Triebwerksstrahlen der Steuerdüsen getrieben über die Baumwipfel steigen. Als das Schiff eine ausreichende Höhe erreicht hatte, zündete Nandhar die Haupttriebwerke. Der alte Frachter nahm zitternd und bebend Fahrt auf, um dann auf zwei Flammenstrahlen, die länger waren als das Schiff selbst, gen Himmel zu reiten.

Nandhar ignorierte die zahlreichen, von einer Kakophonie aus Piep-, Pfeif-, und Schnarrgeräuschen begleiteten Warnmeldungen, die sein Display aufleuchten und flackern ließen wie das Aushängeschild einer billigen Raumfahrerkneipe. Immer wieder fielen die Steuerdüsen und Antigrav-Projektoren auf der Steuerbordseite aus, so dass das Schiff für Sekundenbruchteile zur Seite hin wegsackte, bevor sie ihre Arbeit wieder aufnahmen und die Maschine wieder abfingen. Dann hatten sie den Weltraum erreicht. Der Kathaner beschleunigte das Schiff weiter, bis der alte Raumfrachter die für einen Hyperraumsprung notwendige Sprunggeschwindigkeit erreichte. Kurz darauf war er in einem grellen Lichtblitz verschwunden.

 Als der Frachter aus dem Hyperraum fiel, wurde das Schiff von einer heftigen Erschütterung durchgerüttelt. Für einen Moment fielen die Lichter im Cockpit aus. Warnsignale ertönten.

 »Warnung! Hüllenbruch in Steuerbordsektor fünf. Sekundäres Hilfstriebwerk ausgefallen. Interne Struktur beschädigt.«

 Nandhar setzte einen Notruf ab, »Mayday, Mayday. Hier ist die ISS 'Pearl of Trukkath', Kennung 4A-507368-SOL. Schiff ist schwer beschädigt und steuerlos. Erbitten Hilfe!«

 Eine zeitlang war nur das statische Rauschen des Weltraums zu hören. Dann erklang eine Männerstimme aus den Lautsprechern.

 »Hier ist Commander Jameson vom Lave-Außenposten. Wir haben ihren Notruf empfangen. Hilfe ist unterwegs.«

 Nandar lehnte sich zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Er würde seine Chance bekommen, sich Tarkis noch einmal vorzunehmen, und freute sich darauf.


-- ENDE --

Mittwoch, 28. August 2013

Getaggt von Jaellekatz

Sylvia Hubele (www.jaellekatz.blogspot.de) hat mich schon vor etwas längerer Zeit getaggt, was ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, erst jetzt mitbekommen habe. Normalerweise bin ich ja berufsbedingt der, der die Fragen stellt, aber heute wird der Spieß einmal umgedreht. 

1. Was für ein BloggerInnen-Typ bist du?

Für mich ist es einfacher zu beantworten, wer ich nicht bin. Jedenfalls bin ich keiner von den Bloggern, die um jeden Preis nach dem Motto 'Ich sitz jetzt mal auf dem Klo und lese Zeitung!' posten müssen. Da ich in meinem Off-Internet-Leben beruflich als Journalist unterwegs bin, liegt mir auch beim bloggen etwas daran, bestimmte Standards einzuhalten. Meine Posts sollen Hand und Fuß haben, und für meine Leser interessant und/oder nützlich sein. Dazu gehört auch, dass ich nicht einfach etwas übernehme, was ich irgendwo anders aufgeschnappt habe, sondern versuche noch andere Quellen zu finden und abzugleichen. Deshalb ist es mir lieber, nur einen Post in der Woche zu schreiben, der ordentlich gemacht ist, als irgendetwas rauszuhauen, nur um einen Post geschrieben zu haben. Es gibt schon so viel unnütze Information, da muss ich nicht noch etwas hinzufügen. 

2. Woher nimmst du deine Ideen für deinen Blog?

Meine Ideen finde ich bei vielen Quellen, aber meistens ergeben sich die Themen daraus, dass ich irgendwo etwas gesehen, gehört (als Journalist lernt man, immer die Ohren auf Empfang zu halten) oder gelesen habe. Oft ergeben sich Themen auch aus Diskussionen auf Google+ oder den Chats auf Blog-Tags.de. Ansonsten habe ich ein umfangreiches Archiv an Texten, Zeitungsartikeln, Büchern usw. (und natürlich meine Notizbücher). Was ich kaum benutze, ist allerdings das Fernsehen. Bis auf ein oder zwei Serien kommt da nicht viel,  was mich vom Hocker haut.

Generell ist es mir immer wichtig, sich mit Anderen auszutauschen, egal, ob das nun im Internet oder im realen Leben passiert. Es gibt ja viele, die nichts von sich preisgeben wollen, weil sie Angst haben,  dass man ihnen die Ideen klaut. Das kann natürlich passieren, aber es gibt so viele Ideen auf der Welt, das der Verlust einer Einzigen wohl kaum ins Gewicht fallen sollte.

3. Was brauchst du zum Leben?

Das ist einfach zu beantworten: Familie, Freunde, Zeit und Bücher.

4. Hörst du Musik, wenn du bloggst?

Das hängt von meiner Stimmung ab. meistens eher nicht.

5. Was kannst du besser als andere?

Recherchieren, Improvisieren und Lösungen für Probleme finden.

6. Bloggst du lieber früh am Morgen (Lerche) oder spät in der Nacht (Nachtigall)?

Da habe ich nicht so die freie Wahl. Weil ich vollzeit arbeite, bleibt mir meistens nur die eine Stunde am Abend, wenn schon alle schlafen oder die Stunde am Morgen, wenn ich wieder einmal nicht schlafen kann.

7. Welche Software und Hardware nutzt du zum Bloggen?

Zuhause einen klapprigen PC und für unterwegs ein 65 € Netbook, also ziemlich uncoole Hardware. Ich benutze außerdem gelegentlich ein altes Android-Tablet, um meine Statistiken abzurufen. 

Als Software benutze ich einen simplen Texteditor,  Openoffice und hauptsächlich den GIMP. Daneben - ist das nun Hard- oder Software?  - schreibe ich fast alle Texte in meinem aktuellen Notizbuch vor. Meiner Meinung nach verhindert das, dass man am Text mal hier und mal da herumfrickelt.

8. Was brauchst du, um glücklich zu sein?

Genug Zeit, um die Dinge zu tun, an denen mir wirklich etwas liegt, also neben Zeit für meine Familie und meine Freunde Zeit für's Malen, Schreiben und Lesen. Außerdem spiele ich noch (ziemlich dilettantisch) Didgeridoo.

9. Wie beginnt ein gelungener Tag?

Mit einer guten Tasse Kaffee und heißen Brötchen. 

10. Was machst du, um dich selbst zu trösten?

Am Baldeney-See spazieren gehen, Bilder malen und meditieren. 

11. Bist du dort, wo du hinwolltest?

Ja und nein. Ich bin zwar gerne Journalist, aber es gibt natürlich auch Dinge, die nicht so toll sind. Außerdem gibt es immer wieder neue Wege, die man beschreiten kann. Zum Beispiel habe ich mit meinem Buch 'Jenseits der schwarzen Berge', das im Oktober erscheinen soll,  meine ersten Schritte als Schriftsteller gemacht und dadurch neue Leute kennengelernt.  Wer weiß, was sich daraus für Möglichkeiten entwickeln? 

Mittwoch, 21. August 2013

Aphorismus des Tages

Der 0chse, der an den Mühlstein gebunden war, war ein glückliches Tier, denn er ahnte nicht, dass er ein Gefangener war.

Samstag, 17. August 2013

Im Kollektiv geht manches besser

Heute gibt es einen etwas spontaneren Post, der sich mit einem Problem befasst, dem viele Independent-Autoren gegenüberstehen. Die Kosten für eine professionelle Buchproduktion, die von einem Autoren allein fast nicht zu stemmen ist. Mir ist da eine Idee durch den Kopf gegangen, die ich hier zur Diskussion stellen möchte:

Professionelle Dienstleistungen wie zum Beispiel das Lektorat, das Layout oder die Produktion von Illustrationen und Covern sind für viele Independent-Autoren nicht zu bezahlen. Wenn man die Dienstleister fair bezahlen will, ist man da schnell bei 800+ €, was die Kosten betrifft. In anbetracht der Tatsache, dass sich die Verkäufe vieler Kollegen wahrscheinlich überwiegend im zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Bereich abspielen, lässt sich so kein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen.

Nun zu meiner Idee: Was wäre, wenn man die entstehenden Kosten auf mehrere Schultern verteilt, indem man eine Genossenschaft (eG) gründet, in der die Dienstleistungen, die traditioneller Weise ein Verlag übernehmen würde, durch die Genossenschaftsbeiträge finanziert wird. Im Immobilienbereich wird das von verschiedenen Alternativen Wohnprojekten erfolgreich praktiziert. Warum sollte das nicht auch bei Autoren funktionieren? 

Die Autoren könnten so weiter unabhängig bleiben, hätten aber so eine Möglichkeit, die Qualität ihrer Produkte signifikant zu verbessern. Die Genossenschaft würde keine verlegerischen Aufgaben wahrnehmen, sondern nur als Dienstleister für die Autoren  fungieren.

Was denkt ihr, ist das eine sinnvolle Option?

Mittwoch, 14. August 2013

Dienstag, 6. August 2013

Mein aktuelles Buchprojekt - Jenseits der schwarzen Berge

Mehr als fünfzehn Tage kein Post auf diesem Blog? Was ist geschehen? Habe ich das Bloggen aufgegeben? Gab es eine Familientragödie? - Nein! Ein anderes Projekt hat so viel von meiner Zeit in Anspruch genommen, dass das Posten hintenrübergefallen ist. Normalerweise mache ich ja die Texte anderer Leute schön. Dieses Mal ist es aber anders herum: Wie so viele habe auch ich ein Buch geschrieben, dass nun in die Endphase kommt.

Im Moment bin ich dabei, die letzten Korrekturen in den Text einzubauen. Wenn alles wie geplant vorangeht, werde ich Mitte bis Ende September das Buch veröffentlichen können. Davor geht es noch auf die Buchmesse Unknown 2013, die Anfang September im Essener Unperfekthaus stattfindet.

Aktuell habe ich das Cover für das Buch fertiggestellt, und weil ein Bild mehr als tausend Worte sagt, präsentiere ich euch die Früchte meiner langen Abwesenheit hier:


Ausserdem könnt ihr euch hier schon einmal eine Szene des Buches anschauen, die ich bei der Langen Nacht der Autoren am 27.7. in der Fünte in Mülheim vorgetragen habe: 



Galesads Prophezeiung

Es war schon dunkel, als Anaria zusammen mit Etana, Kismara und den Kindern zum Dorfplatz ging. Dort brannte ein großes Feuer, um das zahlreiche mausgesichtige Ucca versammelt waren. Auch die Zwerge waren da. Am einen Ende des Platzes vor dem großen Haus waren auf einem Holzpodest drei große Stühle aufgebaut, der größte von ihnen in der Mitte. Darauf saß eine sehr alte Ucca. Ihr Fell war von grauen Strähnen durchzogen, in der einen Hand hielt sie einen reich verzierten Stab. Auf ihrem Kopf saß eine Krone aus Holz und Federn.

Caumara stieß Anaria in die Seite, »Das istet die weise Galesad, unsere Dorfälteste! Und das neben ihr istet der große Babob«, er deutete auf den grau-weiß-geschecktfelligen Ucca, der neben der Dorfältesten saß, »unser Häuptling.«

»Und für wen ist der dritte Platz?«, fragte Anaria.

»Für Etana! Oma ist doch die Dorfheilerin!«

Galesad war aufgestanden und machte, auf ihren Stab gestützt, einen Schritt zum Feuer hin, so dass sie in seinem flackernden Licht für alle zu sehen war. Sie blickte einmal in die Runde, dann sprach sie, »Ucca, Menschen, Zwerge, die ihr hier versammelt seid! Hört die Geschichte von der Geburt des großen Untiers! Einstmals lebte auf den Bergkämmen in einem großen Schloss ein mächtiger Zauberer. Jeder, der über die Berge zu uns kam, musste ihm Tribut zahlen. Auf diese Weise war er reich und mächtig geworden. Doch sein Reichtum und seine Macht hatten ihm nicht das geben können, was er am meisten begehrte: Das Wissen um das Wesen der Dinge. Alles, was er besaß, war ihm nur Mittel zu dem Zweck, zum Ursprung aller Dinge vorzustoßen, denn er erhoffte sich, dass wenn er erst einmal das Wesen der Existenz erkannt hätte, er die Möglichkeit besäße, sich die Welt nach seinen Vorstellungen neu zu schaffen. Götter, Geister, Dämonen und selbst die Natur hätten keine Macht mehr über ihn, er wäre frei. Der Zauberer wusste aber auch, dass er dazu aus seiner Welt heraustreten und in die Gefilde der Götter vordringen musste. Lange hatte er geforscht, um einen Weg zu finden, der ihm das Tor zum Reich der Unsterblichen öffnen würde. Er war weit gereist, hatte unheilvolle Orte besucht und finstere Dinge getan, in Büchern gelesen, die besser niemals geschrieben worden wären. So hatte er schließlich einen Weg gefunden, die Grenzen seines Daseins zu überwinden.

Deshalb hatte er im obersten Zimmer des höchsten Turmes alles vorbereitet, den magischen
Kreis, der ihm als Tor zur Welt der Götter diente, den Kreis des Schutzes, der ihn vor den magischen Kräften schützte. Sein Zauberstab lag bereit, golden, dreifach schlangenhäuptig. Er hatte das Feuer mit den magischen Kräutern geschührt, die die Menschen weit entfernte oder vergangene Dinge sehen ließen, und die Ziege, deren Tod das Tor zur anderen Welt öffnen sollte, an seinen Zauberstab angebunden.

Der Zauberer konzentrierte sich. Monatelang hatte er die magischen Worte geübt, war jeden Schritt im Geiste durchgegangen, er war bereit. Und so sprach er, während er aus dem Schutzkreis trat und mit gezogenen Dolch um die an seinen Zauberstab gebundene Ziege schritt, die Worte der Beschwörungsformel.

Langsam näherte er sich der Ziege, jeden Schritt sorgfältig setzend, um nicht auf eines der magischen Zeichen des Kreises zu treten und es so zu zerstören. Der Kreis schien zu vibrieren wie das Bild eines metallenen Spiegels, der von einem Stoß getroffen in Schwingungen versetzt wird. Leuchtender Nebel drang aus den Zeichen und floss in Schleiern aus glitzerndem Dunst auf die Ziege zu. Das Tier blökte ängstlich, versuchte sich loszureißen. Es geschah das, was der Zauberer trotz aller sorgfältiger Vorbereitung nicht hatte vorhersehen können. Die Ziege riss sich los und stieß den Feuerkessel um. Glühende Kohlen und schwelende Kräuter ergossen sich über die magischen Zeichen. Der Zauberer sprang zur Seite, als sich der leuchtende Nebel in Flammen verwandelte, die vom Rand des Kreises zu seiner Mitte wirbelten und alles mit sich rissen, was sich innerhalb des Kreises befand. Auch die Ziege wurde vom Sog der magischen Flammen in das Zentrum des Kreises gezogen. Und während sie gegen den Sog ankämpfte, veränderte sie sich. Sie wurde größer, wuchs zu ungestalter, sich ständig verändernder Form. Zwei neue, gehörnte Köpfe brachen aus ihrem Körper, goldene Schuppen überwucherten ihren Leib und hüllten sie in einen undurchdringlichen Panzer.

Als das Tier in der Mitte des Kreises angelangt war und den Zauberstab berührte, war da keine Ziege mehr, sondern ein dreiköpfiger Drache, und er wuchs immer noch. Mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte der magische Kreis und schleuderte den Zauberer durch die Tür auf den Absatz der Turmtreppe. Mit Mühe konnte er sich aufrichten und die Stufen hinunterfliehen, während über ihm der Turm unter dem Gewicht des noch immer wachsenden Drachens zusammenbrach.

Mit Mühe schaffte es der Zauberer, aus dem Turm zu gelangen, während um ihn herum Steine so groß wie Köpfe herabregneten. Im Hof des Schlosses herrschte Panik. Seine Diener rannten voller Angst hierhin und dorthin, wurden von herabstürzenden Mauerstücken getroffen. Dann schlug der Drache auf dem Erdboden auf. Die Erde erbebte. Der Zauberer sah vom Burgtor aus, wie das vor Schmerz und Wut brüllende Untier die Gebäude des Schlosses in Trümmer legte und alles, was er sich in langen Mühen aufgebaut hatte, zu Schutt verwandelte. Dann schließlich warf sich der Drache mit der ganzen Kraft seines Körpers gegen eine der Burgmauern, brach eine Bresche durch das Mauerwerk und verschwand in der Wildnis.

Der Zauberer hatte es geschafft, aus dem Schloss, das nicht mehr seines war, zu entkommen. Er war schwer verletzt und so kam es, dass er in unserem Dorf starb. Doch zuvor konnte er noch unsere Vorfahren warnen, damit sie eines Tages einen Weg fänden, den Fehler, den er begangen hatte, wiedergutzumachen!«

Galesads Augen funkelten im Schein des großen Festfeuers, als sie in die Runde schaute. Sie sah in gebannt dreinblickende Gesichter, einige Uccakinder saßen mit staunend geöffneten Mündern, die Nagezähne entblößt, die Schurrbarthaare zitternd, in der ersten Reihe. Und selbst die Zwerge und die Prinzessin waren gebannt von ihrer Erzählung. Sogar Taumara und Caumara lauschten still.

Die alte Uccafrau drehte die Hand nach oben und und machte eine Geste, als ob sie Saatgut ausstreuen wollte, während sie weitersprach:, »Das ist die Geschichte des Drachens, wie sie uns von unseren Vorfahren weitergegeben wurde. Viele haben versucht, den Drachen zu besiegen, viele sind gescheitert, doch vielleicht ist es euch, unseren Gästen, bestimmt, den Drachen zu bezwingen, wenn ihr Mut, Klugheit und Vertrauen besitzt. Galesad stieß ihren Stab dreimal auf den Boden, »Aber nun lasst uns singen und tanzen, die Nacht ist noch lang.«

Die Ucca, die Prinzessin und die Zwerge steckten die Köpfe zusammen, überall wurde leise gesprochen. Dann begann das Fest. Mit einem langgezogenen, wehklagenden Laut erhob sich die Stimme der Schalmeien, um mit einem leisen Klagen zu verklingen. Die Kitharen setzten ein, die Ucca traten in den Kreis um das Feuer und fassten sich an den Händen. Dann begannen die Zimbeln und Trommeln zu schlagen und die Tänzer – Männer und Frauen – vollführten unter Freudenrufen einen wilden Reigen, in dem sie rundherum wirbelten ohne Unterlass. Essen und Getränke wurden zwischen denen weitergereicht, die nicht tanzten oder nicht tanzen konnten und jeder gab dem nächsten von dem, was er hatte. So verbrachten die Ucca ihre Festzeit und feierten mit ihren Gästen bis spät in die Nacht.