Sonntag, 23. Dezember 2012

Weihnachtgrüße und gute Vorsätze

Da ja schon seit längerem darüber diskutiert wird, dass Google Friend Connect auch für Blogger-Blogs abgeschaltet wird, habe ich noch kurz vor Weihnachten zwei andere Möglichkeiten eingerichtet, damit ihr meinem Blog folgen könnt. Einerseits habe ich eine Google+-Seite eingerichtet, die sich im Laufe des nächsten Jahres füllen wird, sobald ich mehr Zeit habe, mich genauer darum zu kümmern. Andererseits könnt ihr Literatura Fragmentata über das Blog-Connect-Widget folgen. Möglicherweise richte ich auch noch einen Facebook-Account ein, obwohl ich Fb nicht mag.

Vielleicht haben sich ja einige gewundert, warum jetzt schon seit einiger Zeit kein neuer Post mehr gekommen ist (wenn man vom "Aphorismus des Tages absieht"). Die Antwort ist einfach. Ich habe noch an meinen beiden Lektoratsprojekten gearbeitet, um beide noch vor Weihnachten abschließen zu können. Da ist dann die ganze Zeit, die ich zum Schreiben hatte, für das Lesen der Texte und Eintragen der Korrekturen draufgegangen. Nun steht die nächste Tranche von Bernds Buch (http://berndbadura.blogspot.de/) für Anfang Februar an. Wenn ich mit meinem zweitem Autor verhandelt habe, kann ich vielleicht auch über dieses Buch etwas posten.

Mehr gibt es im neuen Jahr,

bis dann!

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Der Aphorismus des Tages

Manchmal gleicht der Verstand einer Ratte, die in eine Regentonne gefallen ist und nun verzweifelt versucht, aus dieser zu entkommen, Kreis um Kreis drehend ohne Ausweg.

Freitag, 7. Dezember 2012

Die Zeit erklärt das Urheberrecht für Anfänger

Das Urheberrecht ist kompliziert, betrifft aber insbesondere auch viele Blogger. Umso besser, wenn man sich schnell einen Überblick über die Grundlegenden Aspekt desselben informieren kann. Die Zeit hat dazu einen guten Glossar zusammengestellt:

http://www.zeit.de/digital/internet/2012-07/glossar-urheberrecht

Freitag, 30. November 2012

Amazon bringt Publishing-Sparte nach Europa

Amazon bietet ja schon längere Zeit die Möglichkeit für Selfpublisher, Bücher als Kindle-Ebooks herauszugeben. Nun will der Internet-Riese auch in Europa als Verleger für gedruckte Bücher auftreten, ein Grund mehr für Independent-Autoren, zu jubeln und für die etablierten Verlage einer mehr, sich warm anzuziehen. Nähere Informationen gibt es bei Meedia.

Donnerstag, 29. November 2012

Einige Quellen zum Buddhismus


Da wir letztens im Blogzug-Chat eine angeregte Diskussion über den Buddhismus hatten, habe ich einmal mehrere Quellen zusammengefasst, auf denen man umfangreiches Material zum Thema findet. Allerdings sind die meisten Quellen auf Englisch, man sollte also halbwegs firm in dieser Sprache sein. Der Grund dafür ist, dass der Buddhismus im englischsprachigen Raum schon wesentlich länger Fuß gefasst hat als hier bei uns in Deutschland.

Buddhanet



Unter der Adresse buddhanet.net/ findet man ein umfangreiches Repository an Informationen zu allen Bereichen des Buddhismus. Besonders informativ ist die umfangreiche Bibliothek an EBooks, deren Themenspektrum von einführenden Texten bis zu komplexeren Themen reichen. Besonders interessant für den Einsteiger sind die Bücher Intuitive Awareness, Living Meditation, Living Insight und Anapanasati - Mindfulness of Breathing sowie das Handbook For Mankind.

Forest Sangha Publications



Forest Sangha Publications ist eine weitere Website, auf der man teilweise umfangreiche Ebooks herunterladen kann, wobei die dort zu findenden Publikationen der Theravada-Tradition in der Nachfolge von Ajahn Chan zuzuordnen sind.

The Mindfullness Bell



The Mindfulness Bell ist eine buddhistische Zeitschrift, die sich der Tradition Tich Nhat Hanhs verpflichtet fühlt. Nahezu alle Ausgaben sind im Archiv als PDF downloadbar. Wer sich über den deutschen Zweig des Orders of Interbeeings informieren möchte, kann das unter www.intersein.de tun.

dhammatalks.org



dhammatalks.org bietet ebenfall ein umfangreiches Verzeichnis langer und kurzer Texte zu verschiedenen buddhistischen Themen. Gut, wenn man nur wenig Zeit zum Lesen hat. Man sollte etwas Vorwissen mitbringen.

dharma.de



Dharma.de ist die Website der Deutschen Buddhistischen Union, die sich als Dachverband für alle Buddhistischen Gruppen in Deutschland sieht. Sie ist ein guter Startpunkt für weitere Recherchen.

wat-lao.org



Wat-Lao ist die Website des buddhistischen Klosters Wat Sibounheuang in Altlußheim bei Heidelberg. Es bietet einige einführende Texte zum Thema Buddhimus, die als Startlektüre dienen können.

Zentrum für Buddhismuskunde der Universität Hamburg



Das Zentrum für Buddhismuskunde der Universität Hamburg ist der zentrale Anlaufpunkt, wenn man sich wissenschaftlich mit dem Buddhismus beschäftigen will. Auch hier gibt es eine umfangreiche Sammlung an Texten.

Dienstag, 27. November 2012

Ach wärst du damals still geblieben! – Christa von Bernuths »Damals warst du still«


Manchmal kommt es vor, dass eine gute Idee sich in ihrer Ausführung als nicht annähernd so gut erweißt, wie man vor ihrer Umsetzung in ein Buch gedacht hat. Der Text scheint sich gegen seine Fertigstellung zu wehren, die Handlungsfäden werden zunehmend verworren und die beabsichtigte Stimmung will sich nicht recht einstellen. Doch warum? Meist ist ein gewisser Übereifer die Ursache. Man will zu viel in ein und die selbe Story packen, was dazu führt, dass die Erzählung grandios scheitert. Das lässt sich schön an Christa von Bernuths Thriller »Damals warst du still« [1] zeigen, dem genau das widerfahren ist.

Kurz zur Story: der 16-jährige Samuel Plessen wird tot und verstümmelt auf dem Gelände eines Clubs in München von den Drogenfandern David Gerulaitis und Janosch Kleiber aufgefunden. In seinen Körper ist das Wort 'warst' eingeritzt. Kriminaloberkommissarin Mona Seiler wird auf den Fall angesetzt. Bald stellt sich heraus, dass es eine weitere Tote gibt, die auf ähnliche Weise ums Leben gekommen ist. Auch auf ihren Körper wurde ein Wort eingeritzt. Seiler beginnt an eine Mordserie zu glauben.

Es stellt sich heraus, dass die Tote, Sonja Martinez, die Patientin von Fabian Plessen, dem Vater Samuels, war. Da ein Zusammenhang mit den Psycho-Seminaren Plessens vermutet wird, schleußt die Polizei Gerulaitis als verdeckten Ermittler ein. Er soll herausfinden, ob Plessen oder einer seiner Klienten in die Mordfälle verwickelt sind. Wärenddessen geht die Suche nach dem Mörder weiter, über dessen Innenleben wir durch eingeworfene Rückblenden, die von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter reichen, schrittweise mehr erfahren. Zugleich werden die psychischen Auswirkungen, die der Seminarbesuch auf Gerulaitis hat, geschildert. Es stellt sich heraus, dass der Mörder verwandschaftliche Verbindungen zu Plessen hat, wodurch die drei Handlungsstränge des Buches miteinander Verknüpft werden sollen.

Roman mit sprachlichen Aussetzern


Handwerklich ist der Text, was die Sprache angeht, weitgehend ordentlich, wenn auch nicht preisverdächtig geschrieben. Leider gibt es aber immer wieder kleinere sprachliche Aussetzer, die einem unbedachten Leser wahrscheinlich nicht auffallen würden, aber einem Lektor nicht hätten durchgehen dürfen. Ein Beispiel ist die Passage, in der es heißt 

»[...] Ohne Plessens Antwort abzuwarten, kramte sie in ihrer Tasche nach den Fotos von der Leiche. [...]«. 

Das ist umgangssprachlich und gehört nicht in den Erzähltext eines professionell geschriebenen Romans. Eher hätte man so etwas schreiben können wie 

»[...] kramte sie in ihrer Tasche nach den [Tatort]-Fotos, die die übel zugerichtete Leiche Sonja Martinez' zeigten.«

Eine weitere Stelle, die stilistisch nicht ganz rund ist, findet sich in folgendem Satz:, 

»Vielleicht lag es daran, dass sich in ihm an diesem Abend etwas, das von entfernt an ein schlechtes Gewissen erinnerte, bleischwer auf den Magen legte.« 

Das 'von' in dem eingeschobenen Satz ist an dieser Stelle völlig überflüssig und zieht auch hier den Satz ins Umgangssprachliche, ganz abgesehen davon, dass hier eine klassische Krimisprache emuliert werden soll.

Es ließen sich noch weitere Stellen finden, die die sprachlichen Probleme des Romans illustrieren könnten, jedoch reicht der Platz in diesem Artikel nicht aus, diese in aller Ausführlichkeit zu behandeln.

Strukturelle Probleme des Textes


Claudia von Bermuths Roman basiert auf einer interessanten Idee, – nämlich dem Leser einen Einblick in das Innenleben eines Mörders zu geben und so jenem nachvollziehbar zu machen, wie es zu den Taten gekommen ist, über die die Erzählung berichtet (Das erinnert ein wenig an Sebastian Fitzek oder Tess Gerritsen). Leider hat die Autorin die Idee bei der Ausführung ihres Romans etwas verschenkt.

Bermuth macht gleich zu Anfang der Erzählung den Fehler, mit der Tür ins Haus zu fallen, indem sie dem Leser einen Einblick in das Innenleben des Mörders gewährt und sich dabei auf das Soziopathen-Klischee vom kleinen Jungen, der gerne Tiere quält und eine gefühlskalte Mutter hat, zurückzieht. Dabei ist der Abschnitt von der sprachlichen Seite her gesehen völlig in Ordnung, er kommt lediglich zu früh im Roman und bietet dann statt einer tiefen psychologischen Deutung nur Allgemeinplätze, die jedem hinlänglich bekannt sein dürften, der schon einmal eine Serienmörderstory gelesen oder gesehen hat. Das setzt sich in den Rückblenden, die das Leben des Mörders illustrieren, fort. Stellenweise ließt sich der Text so, als ob er eine Zusammenfassung der Thesen von John Douglas, die er in »Die Seele des Mörders« und »Mörder aus Besessenheit« [2,3] zum besten gegeben hat, wäre.

Aber auch die Passagen, die sich um das Seminar Plessens entwickeln, sind nicht frei von Klischees, wobei jene in diesem Fall aus dem Bereich der Psychotherapie entstammen. Hier werden Versatzstücke aus verschiedenen Weltanschauungen und Therapieformen miteinander auf eine Art und Weise vermischt, die demjenigen, der sich mit diesen Themen schon einmal befasst hat, nur ein müdes Gähnen des »Um Gottes Willen, nicht schon wieder« entlockt. Da ist zum Beispiel das Familienstellen, das aus der systemischen Therapie entnommen wurde, sowie Versatzstücke aus Buddhismus und Yoga (es fehlt nur noch, dass jemand seinen Namen tanzen muss). Das alles ist so ungeschickt zusammengerührt, dass eine echte Einheit nicht zustandekommen will und so die Versatzstück als solche sichtbar bleiben.

Die Erzählung ertrinkt in einer Überzahl der Themen


Was aber letztendlich den Roman zum Scheitern bringt, ist gar nicht so sehr, dass er streckenweise die üblichen Klischees ausbreitet (Genreliteratur neigt ja generell dazu, sich formelhafter Ausdrucksformen zu bedienen), sondern vielmehr daran, dass sich Bernuth nicht entscheiden konnte, was für einen Roman sie eigentlich schreiben wollte. Jede Idee für sich hätte eine interessante Erzählung ergeben können, aber dadurch, dass sie all diese Ideen in einem Buch unterbringen wollte, ist keine einzige richtig zum Zug gekommen. Die Folge ist, dass über weite Strecken keine rechte Spannung aufkommen will, weil die Wechsel zwischen den verschiedenen Themenebenen seltsam unmotiviert wirken und die Ebenen nicht wirklich miteinander verknüpft sind (wie man dies klug angeht, kann man z. B. bei Tess Gerritsen sehen).

So hätte man aus der Innenschau des Mörders einen ganzen Roman schreiben können, der von dem Konflikt zwischen der Gedankenwelt des Mörders und seiner Verfolger lebt und die Hintergründe für die Entwicklung des Antagonisten zum Serienmörder aufzeigt. Ebenso hätte sich der Gwrulaitis-Strang zu einer eigenen Story ausarbeiten lassen können, in der man die Gefahren von Psycho-Kulten und die Auswirkungen, die deren Techniken auf ihre Opfer hat, ausarbeitet. Zudem hätte man aus der Eutanasie-Ebene, die ebenfalls im Roman vorhanden ist, eine Studie über die Fehlbarkeit von Menschen und die Grausamkeit des Naziregimes machen können.

Indem Bernuth nun versucht, all diese Ebenen in einer einzigen Erzählung zu verquicken, dreht sie jeder einzelnen Ebene die Luft ab, so dass sich keine einzige über das Klischee hinausbewegt und das Buch zu einem Roman macht, der schnell gelesen, aber auch schnell wieder vergessen ist.

Weniger ist mehr


Was lässt sich daraus also für das eigene Schreiben lernen? Im Wesentlichen, dass man nicht zuviel wollen sollte. Es ist schön, gute Ideen zu haben, aber man sollte nicht sein ganzes Pulver in einer einzigen Story verschießen und sich gut überlegen, wie die einzelnen Erzählebenen miteinander verknüpft werden können. Eine Idee sollte Teil einer Erzählung werden, weil sie die Erzählung voranbringt und nicht um ihrer selbst willen in die Story gezwängt werden.

Auch hier gilt: »Kill your Babies«. Tut man es nicht, hat das zur Folge, dass man die Story 'overworked' und schließlich mit einem konstruiert wirkenden Text voller Klischees dasteht, der mehr schlecht als recht funktioniert. Das ist übrigens auch bei »Damals warst du still« so. Bernuth muss, um die verschiedenen Stränge am Ende zusammenführen zu können, zu einem deus ex machina greifen, was erstens schlechter Stil und zweitens tödlich für jede Spannung in einem Krimi ist, da die Auflösung von außen aufgepfropft bleibt und künstlich wirkt.

Literatur


[1] Bernuth, Christa von: »Damals warst du still«, München 2005(1).
[2] Douglas, John u. Olshaker, Mark: »die Seele des Mörders - 25 Jahre in der FBI-Spezialeinheit für Serienverbrechen«, München 1998.
[3] Douglas, John u. Olshaker, Mark: »Mörder aus Besessenheit - Profiling: die erfolgreiche Jagd nach Triebverbrechern«, München 2000.

Montag, 19. November 2012

Donnerstag, 15. November 2012

Ankündigung: GETTING BOOKS DONE

Da ich immer noch auf das Buch warte, dass ich als nächstes besprechen wollte, möchte ich hier ein neues Projekt vorstellen:


Unter diesem Label werde ich in Zukunft immer wieder einmal nützliche Hilfsmittel für das Bücherschreiben einstellen. Dabei wird es sich meist um Listen und Formulare zum Organisieren der Schreibarbeit drehen. Als erstes gibt es den GBD-Buch-Cheatsheet, mit dem sich kleinere Buchprojekte nachhalten lassen:



Der Cheatsheet bietet in Form einer Abhakliste eine einfache Möglichkeit, im Auge zu behalten, wie weit ein Buchprojekt gediehen ist. Im Wesentlichen besteht er aus zwei Listen, auf denen einerseits der gesamte Fortschritt des Projektes nachgehalten werden kann



In der Kapitelliste kann man die Fortschritte für jedes einzelne Kapitel eintragen, wobei jeweils zwei Phasen unterschieden werden: Der Entwurf, in dem der Text (um)geschrieben wird und die Korrektur, in der der Text Korrekturgelesen wird. Insgesamt gibt es für jedes Kapitel drei dieser Phasen (mehr sind m. E. nicht sinnvoll). Mehr als drei Korrekturläufe lassen darauf schließen, dass mit dem Text etwas grundsätzlich nicht in Ordnung ist.


Darunter Befinden sich noch drei Felder, in die sich verschiedene Notizen eintragen lassen: Termine & Kontakte, Wichtige Ressourcen und Notizen (für Allgemeines). 

Ich wünsche euch viel Glück und gutes Gelingen! Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, könnt ihr mich unter dieser Mailadresse kontaktieren: info@literatura-fragmentata.de


Sonntag, 11. November 2012

Samstag, 10. November 2012

Neues Logo

Hallo zusammen! 

Jetzt, wo es mit meinem Blog richtig loßgeht, nachdem jahrelang post-technisch eher Flaute geherrscht hat, habe ich mir überlegt, etwas für die "Corporate Identity" meines Blogs zu tun und Literatura Fragmentata ein neues Logo zu spendieren:



Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum ein halbgeschlossenes Auge als Logo? Der Grund ist (zumindest in meinen Augen) einfach zu erklären. Der Blogtitel Literatura Fragmentata bezieht sich darauf, dass ich der Ansicht bin, dass wir Menschen nicht in der Lage sind, die Welt in ihrer Ganzheit zu erfassen. Wir sehen immer nur einen Teil der Wirklichkeit, ein Fragment vom Ganzen. Das gilt auch und insbesondere für kulturelle Phänomene wie Kunst und Literatur.

Deshalb habe ich mir das halbgeschlossene  Auge als Logo für Literatura Fragmentata ausgesucht. Es soll im Gegensatz zum allsehenden Auge zeigen, dass man immer nur einen Teil der Wirklichkeit sieht, andere wiederum nicht. Es soll eigen, dass es nicht nur einen Weg, die Dinge zu sehen, gibt und wir nicht davom ausgehen können, dass unsere Sicht der Dinge die einzig richtige ist.

Außerdem habe ich noch mehrere Logo-Varianten entworfen, die ihr verwenden könnt, wenn ihr auf Literatura Fragmentata verlinken wollt. Außerdem werde ich sie für meine Publikationen in PDF- und anderer Form verwenden.





Leider muss ich zugeben, dass die Idee mit dem halbgeschlossenen Auge nicht ganz auf meinem Mist gewachsen ist. Die ursprüngliche Idee dazu stammt aus dem Roman "Die Brücke der Vögel" von Barry Hughart. Dort benutzt eine der Hauptfiguren, der weise Li Kao, das Auge als Aushängeschild für seine 'Detektei':


"Dann gab mir der Himmel ein Zeichen. Ich hatte das Ende der Allee erreicht und wollte auf der anderen Seite zurückgehen, als plötzlich ein Sonnenstrahl durch die Wolken brach und wie ein Pfeil in eine schmale gewundene Gasse schoss. Es fiel auf ein Schild mit einem Auge, doch dieses Auge stand nicht offen. Es war halb geschlossen.

'Die Wahrheit wird teilweise enthüllt', schien dieses Auge zu sagen.

'Manche Dinge sehe ich, andere nicht.'
Wenn es sich um diese Botschaft handelte, dann war es das erste Vernünftige, was ich in Peking gesehen hatte." [1]


Insofern ist mein halbsehendes Auge als Hommage an das halbgeschlossene Auge Li Kaos zu sehen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung zu den Logos unten in der Kommentar-Sektion, hinterlasst,

Euer Georg

[1] Hughart, Barry: "Die Brücke der Vögel", Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main 1986. ISBN 3-8105-0821-7.

Mittwoch, 7. November 2012

Keine Angst vor‘m weißen Blatt

Die Angst vor´m weißen Blatt - (c) G. Sandhoff


„Als er das Moleskine öffnete, hatte er das Gefühl, ein Schriftsteller zu sein. Er nahm den Stift, drückte auf den Knopf an dessen Ende und sah, wie die Spitze der Mine dem Stachel einer Wespe gleich hervorschoss.

Er war bereit.

Doch als er den Kugelschreiber auf das Papier setzen wollte, war da — Nichts! Nada, Niente! Der Autor starrte auf das Blatt vor ihm, bis die leeren Zeilen vor seinen Augen zu verschwimmen schienen. Seine Hand zitterte. Die Spitze des Kugelschreibers verharrte wenige Milimeter über dem Papier, ohne dass es ihm gelingen wollte, sie auch nur einen dieser wenigen Milimeter vorwärts zu bewegen.

Einige Augenblicke bedachte der Autor die Seite mit bösen Blicken, die weiße, linierte Fläche, die es sich im Umschlag aus gewachstem Kunstleder bequem gemacht hatte wie in einem warmen Bett. Er hasste sie. Doch was nutzte das, sie würde heute so unbefleckt bleiben, wie sie es gewesen war, als sie vom Buchbinder in den Umschlag gebettet wurde. Schließlich ließ er resigniert den Stift fallen und stand auf, um in den Keller zu gehen, wo er seine Trauer in einer oder mehreren Flaschen Pinot Grigio zu ertränken hoffte.“


Nicht nur unser (hypothetischer) Autor, sondern fast jeder hat sie schon einmal erlebt, die Angst vor dem weißen Blatt. Doch was eigentlich ist sie (schließlich ist ein Blatt Papier nicht besonders angsteinflößend) und wie lässt sie sich überwinden? Der Post bietet einige Anregungen zu diesem Thema.

Tatsächlich ist die Angst vorm weißen Blatt meist darin begründet, dass man es zu gut mit sich meint. Man glaubt, direkt beim ersten Mal etwas Perfektes zu Papier bringen zu müssen. Zum Teil ist das der aus der Romantik stammenden Vorstellung geschuldet, dass man einen genialen Funken in sich tragen müsste, um etwas zu Papier bringen zu können. Wenn dieser Funken Genialität ausbleibt — nun ja, man kann sich denken, was dabei herauskommt. Schaut man sich aber die Biographien solcher Menschen an, die man gemeinhin als „Genies“ bezeichnet, z. B. Goethe, Schiller oder Kafka, dann fällt auf, dass sie entgegen dem Klischee nicht einsam und allein in ihrem Stübchen große Werke verfasst haben, sondern immer Teil einer Gruppe von Leuten mit gemeinsamen Interessen waren, wenn auch der herausragende. Damit ist auch schon der erste Faktor genannt, der helfen kann, eine Schreibblockade zu überwinden: Man mus sich mit anderen zusammentun. Durch den Austausch und die Rückmeldungen der Anderen lernt man, sein Geschriebenes von Seiten zu sehen, die man selbst nie gesehen hätte.

Den „Autoren“ in sich töten


Auch die eigenen Vorstellungen davon, wie ein Autor zu sein hat, können ein Hemmnis auf dem Weg sein, die sie Story vom Kopf auf das Papier nehmen muss. Man denkt, man selbst, dass Geschreibsel, die Art und Weise, wie man es vorträgt wäre nicht guut genug, man würde sich sicherlich blamieren usw. was mit ziemlicher Sicherheit dazu führt, dass man die Geschihcte gleich sein lässt. Besonders feines Equipment kann manchmal abschreckend wirken, weil man es nicht wagt, in das sündhaft teure Notizbuch etwas zu schreiben, dass unter der „Perfekt“-Marke liegt. Manchmal ist es deswegen besser, den ersten Entwurf einfach auf ein paar Blätter Schmierpapier zu schreiben oder ein billiges Notizbuch zu benutzen. Wenn das Geschriebene dann zu schlecht ist, fällt es leichter, ein solches Stück wegzuwerfen, als ein teures Schriftsteller-Statussymbol im Ledereinband. Man muss sich von seinen Vorstellungen, wie ein „Autor“ zu sein hat, trennen, sie hinter sich lassen, um schreiben zu können. Das ist mit den Autor töten gemeint.

Einer der besten Wege, die Angst vorm weißen Blatt zu überwinden ist tatsächlich, sich hinzusetzen und einfach irgendetwas zu schreiben. Das muss nichts Sinnvolles sein, einzelne Wörter, Unsinn, die Eindrücke, die man in einem Straßencafé sammelt oder, wenn gar nichts hilft, die Tatsache, dass man gerade nicht in der Lage ist, zu schreiben. Letztendlich besteht der ganze Trick darin, sich zu überwinden, einfach auch mal Schund zu schreiben. versucht man dagegen auf den richtigen Moment, die Inspiration oder einen Anflug von Genie zu warten, wartet man meistens vergebens.

Für Geld schreiben hilft


Ein guter Weg, sich derartige Flausen aus dem Kopf zu treiben, ist die Mitarbeit in einer Redaktion, gleich welcher Art sie ist. Das kann die Redaktion einer Schüler-, einer Studenten- oder auch einer Lokalzeitung sein. Wenn man viel Glück hat, darf man für eine Zeitschrift schreiben. Wichtig ist, dass die Publikation regelmäßig erscheint.

Die Tatsache, dass man an feste Termine gebunden ist und, zumindest, wenn es sich um eine professionelle Redaktion handelt, kein Geld kriegt, wenn man nicht liefert, ist sehr motivierend, das übermäßige Polieren am Text sein zu lassen. Nehmen wir das Beispiel einer Lokalredaktion. Der Autor hat den Auftrag erhalten, die Sitzung des örtlichen Kaninchenzüchtervereins zu besuchen. Die Sitzung beginnt um 14:00 Uhr und dauert bis 16:00 Uhr. Vereinbart sind 1000 Zeichen. Um 16:00 kommt man aus der Veranstaltung, fährt nach Hause und setzt sich vor den Rechner. Jetzt hat man noch etwa anderthalb Stunden, um den Text in der Redaktion abliefern zu können, denn um 18:00 ist Redaktionsschluss. Was danach herinkommt schafft es nicht mehr in die Zeitung und das bedeutet, kein Geld!

Bei 1,5 Stunden bleibt keine Zeit, lange an dem Text zu feilen oder sich Gedanken um Inspiration, Genie oder sonst etwas zu machen. Entweder man schreibt, oder das Portemonais und der Kühlschrank bleiben leer. Journalistisch zu schreiben zwingt den Schreibenden dazu, alle Zweifel über Bord zu werfen und kurz, knapp und vor allem über beliebige Themen präzise zu schreiben. Man hat keine Zeit, Angst vor dem leeren Blatt zu entwickeln. Mit zunehmender Übung wird man dann feststellen, dass einem der Einstieg in den Schreibprozess immer leichter fällt.

Andere Wege


Hat man nicht das Glück, für eine Redaktion arbeiten zu dürfen, muss man sich auf andere Strategien verlegen. Oft hilft, das Schreiben in einem festen Rahmen unterzubringen. Man könnte zum Beispiel feste Zeiten für sich definieren, zu denen geschrieben wird, vielleicht jeden Mittwoch von 21:00 bis 23:00 Uhr, oder sonntags zwei Stunden am Nachmittag. Man nimmt sich vor, in dieser Zeit nichts anderes zu tun, als zu schreiben, ganz gleich, was dabei herauskommt. Man sollte sich keine Ziele vornehmen, die nicht zu bewältigen, es reicht völlig aus, wenn man überhaupt geschrieben hat. Ebenso wichtig ist, sich für das Gesamtprojekt ein festes Ziel zu setzen. Hat man sein Schreibpensum erfüllt, sollte man sich belohnen, damit das Ereignis als positiv in Erinnerung bleibt.

Hilft das alles nicht, ist es manchmal besser, das Schreiben für diesen Tag sein zu lassen und eine Nacht über die Sache zu schlafen, und sich am nächsten Morgen wieder an den Text zu setzen. Eine andere Möglichkeit, eine Blockade zu durchbrechen, besteht darin, den Text von einem vertrauenswürdingen Freund gegenlesen zu lassen. So ist es möglich, anhand der Hinweise des Gegenlesers mögliche Stolperstellen zu entdecken und den Text zu verbessern.

Letztendlich muss es darum gehen, ganz gleich, welchen Weg man einschlägt, konsequent am Text zu arbeiten, ganz gleich, für wie schlecht man das eigene Geschriebene hält. Wie im Sport wird man nur dann gut, wenn man ständig trainiert. Dabei ist völlig gleichgültig, ob man eine schlechte Trainigseinheit absolviert hat oder eine Gute. Der Trainingseffekt stellt sich trotzdem ein.

Schreibblockade - (c) G. Sandhoff

Procedural Painting mit Harmony

Neben meinen literaischen Ambitionen ist Digital Painting eines meiner Interessensgebiete. Nun bin ich auf das Programm Harmony gestoßen, mit dessen Hilfe man schnell sehr eindrucksvolle Skizzen entwerfen kann. Dazu benutzt das Programm eine Methode, die sich Procedural Drawing nennt. Man zeichnet die groben Linien und das Programm legt die Schraffuren automatisch an. Doch nun genug geredet: Lassen wir die Bilder für sich selbst sprechen. Jedes dieser Bilder wurde nur mit der Maus in unter zwei Minuten angelegt.






 

Sonntag, 4. November 2012

Mein Name ist Craig, Daniel Craig


Habe mir gerade den neuen Bond gesehen. Deswegen nur ein paar kurze Notizen, bevor mir die ganzen Einfälle  wieder aus dem Kopf geraten. Abgesehen davon, dass die Idee zu Skyfall aus Mission Impossible (böser Exagent klaut Liste mit Agentennamen) geklaut war, fand ich den Film sehr interessant und geradezu still. Kein ständiges, hektisches Hantieren mit technischem Spielzeug, nur klassische Handarbeit. Der Film hatte fast eine Anmutung wie klassische Agentenfilme. Javier Bardem als Bösewicht war erfrischend irre, ausserdem hatte er endlich einmal ein plausibles Motiv jenseits von Weltbeherrschung - Rache (abgesehen davon, dass Silva einen Mutterkomplex hatte).
Jedenfalls ist der Film anders inszeniert als die Bondfilme, die ich sonst so kenne und das sind einige.

Anschauen, ist interessant!

Donnerstag, 1. November 2012

Dienstag, 30. Oktober 2012

Einige Quellen zum Handwerk des Journalismus für Journalisten und solche, die es werden wollen


Public Relations ist die Kunst, Mist solange in Blattgold zu hüllen, bis die Menschen vom Glanz geblendet sind.


Wer sich für das Publizieren im Internet und Onlinejournalismus interessiert, kann im Netz einige gute Quellen finden, die sich mit dem Thema befassen. Hier möchte ich vier Quellen vorstellen, die einerseits eine gute Orientierung bieten, andererseits eine Menge brauchbaren Wissens für angehende und nicht mehr ganz so unerfahrene Journalisten bereithalten.

Die Bundesstelle für politische Bildung (BpB)

Die Bundesstelle für politische Bildung hat in ihrer Schriftenreihe Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) zwei Hefte zu den Themen Onlinejournalismus und Publizieren herausgebracht, die absolut lesenswert sind.

Das Netzwerk Recherche

Das Netzwerk Recherche hat sich die Förderung des Recherchejournalismus auf die Fahnen geschrieben und fordert außerdem die strikte Trennung von Journalismus und PR. Auch wenn die Forderung "Journalisten machen keine PR" in Anbetracht der realen Zustände (leider) etwas utopisch erscheint, hat das Netzwerk mit seiner NR-Werkstätten-Reihe eine hervorragende Quelle für alle Aspekte geschaffen, die es braucht, damit guter Journalismus existieren kann.

Die Nieman-Reports

Die Nieman-Reports werden von der Nieman Foundation for Journalism at Harvard University, Cambridge, MA herausgegeben und sind eine der besten Quellen, die ich kenne, wenn des darum geht, sich über die Abläufe im Journalismus zu informieren. Allerdings sollte man einigermaßen firm sein, was die englische Sprache betrifft, um wirklich etwas davon zu haben.

Die Mainzer Mediendispute

Die Mainzer Mediendispute bieten Informationen an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Politik und greifen aktuelle Entwicklungen in der Medienlanschaft auf. Die Dokumentationen sind lesenswert, leider ist aber die Seite unübersichtlich und schlecht gepflegt, so dass dem Leser das Suchen nicht erspart bleibt.

Renovierungsarbeiten...

Im Moment bin ich dabei, ein paar Sachen für das Blog vorzubereiten, dazu gehören unteranderem die "Spielregeln", also die Hinweise, wie bestimmte Dinge auf Literatura Fragmentata gehandhabt werden, eine Seite, auf der ich verschiedene Projekte vorstellen möchte, ein neues Logo und ein neues Maskottchen. Das alles kostet natürlich Zeit, von der ich leider nur wenig habe, und wird nur schrittweise zu realisieren sein. Ich hoffe, das Projekt "Umbau" bis Juni nächsten Jahres abgeschlossen zu haben.
Gepostet wird natürlich trotzdem! Schaut zu, wie sich alles verändert!

Sonntag, 28. Oktober 2012

Ein paar Gedanken zum Teamwork

Da ich heute nicht viel Zeit habe, ist dieser Post etwas ins Unreine geschrieben.

Teamarbeit ist ungemein praktisch, wenn sie funktioniert, viel öfter aber scheitern Projekte, obwohl alle Beteiligten Feuer und Flamme für die Sache waren. Die Gründe dafür sind vielfältig und meistens nicht leicht nachzuvollziehen, in der Regel scheitert ein Projekt aber an einer Mischung aus Kompetenzgerangel, Eitelkeit und Selbstüberschätzung der Teammitglieder. Tödlich für jedes Projekt ist ein fauler Angeber - tut nichts und hält andere von der Arbeit ab.Wie aber kann man verhindern, dass man aus schlechter Organisation heraus sein Projekt in den Orkus schießt? 

Wichtig ist, dass man die Aufgabenverteilung  gleich zu Anfang klärt. Solange man noch bei der Ideenfindung ist, können alle Teammitglieder sich gleichermassen in den Prozess einbringen. Ist die Ideenfindung abgeschlossen, müssen die Kompetenzen klar an die einzelnen Teammitglieder verteilt werden.

Ich möchte das mal am Beispiel eines Buchprojektes zeigen. Man will eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten verfassen. Es gibt einen Lektor, zehn Autoren, einen Bildredakteur und einen Layouter. Ferner einen Rechercheur sowie einen Projektkoordinator. Im initialen Brainstorming wurde beschlossen, über das wissenschaftliche Schreiben hinauszugehen und Aspekte wie Diskussionsführung, Organisation im Studium und das Halten von Referaten hinzuzunehmen. Der Projektkoordinator stellt die Plattform für das Projekt zur Verfügung. Das können Räumlichkeiten, eine Kollaborationsplattform oder schlicht ein Zeitfenster für die Benutzung der Redaktionsräume sein. Der Koordinator kontrolliert ausserdem, dass alle Abläufe richtig ineinandergreifen und sorgt dafür, dass alle Teammitglieder ihre Arbeit zur richtigen Zeit abliefern. Der Lektor kümmert sich um die Autoren, kontrolliert deren Output und sorgt dafür, dass die Texte ein einheitliches Erscheinungsbild haben. Der Lektor greift ausserdem auf die Dienste des Bildredakteurs und den Rechercheurs zurück. Diese suchen die passenden Materialien heraus. Der Layouter schliesslich ist für die graphische und typographische Umsetzung des Ganzen zuständig.

So weit, so gut - Das ist alles ein bekannter Arbeitsablauf, wie er in vielen Verlagen üblich ist. Der gesamte Ablauf funktioniert, weil jeder Mitspieler eine klare Rolle hat. Stellt euch vor, der Lektor würde dem Layouter erzählen, wie er den Text zu setzen hat oder der Layouter versuchte, die Arbeit des Rechercheurs zu machen. Das Beispiel ist so einfach zu durchschauen, dass man sich fragt, warum so viele Projekte genau daran scheitern.

Darum ist es um so wichtiger, dass man, sobald man sich über die gemeinsamen Ziele und die Aufgabenverteilung geeinigt hat, bei seinem Job zu bleiben und diesen so gut wie möglich zu machen. Macht das, was ihr gut könnt und redet nicht den anderen in ihre Job hinein, dann klappts auch mit den Projekten.

Samstag, 27. Oktober 2012

Dienstag, 23. Oktober 2012

Ein effizienter Arbeitsstil ist alles

Da dieser Post verflucht lang ist, stelle ich euch den Text als PDF und EPUB zum Download zur Verfügung: Beide Dateien stehen unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 3.0


Wenn man schreiben will, gibt es eine ganze Reihe von Hilfsmitteln, die einen weiterbringen können. Grundsätzlich gilt aber, dass einem das beste Tool nichts nutzt, wenn man damit nicht umgehen kann. Entscheidend ist, dass man für sich einen effizienten Arbeitsstil findet, der das Projekt, dass man sich vorgenommen hat, auch wirklich voranbringt.

Insofern ist es eine zweischneidige Sache, wenn man sich an der Arbeitsweise von anderen orientiert (zumindest dann, wenn man versucht, diese Arbeitsweise unhinterfragt zu übernehmen). Was als Strategie für den einen Menschen wunderbar funktioniert, muss für einen Anderen noch lange nicht sinnvoll sein. Die Vorgehensweise eines Anderen einfach zu übernehmen würde bedeuten, den Zeigefinger, der auf den Mond zeigt (die Arbeitsweise), mit dem dem Mond (der Arbeit) selbst zu verwechseln. Trotzdem möchte ich euch  die Arbeitsweise vorstellen, die für mich gut funktioniert. Eigentlich sind es tatsächlich zwei verschiedene Arbeitsweisen, je nachdem, wie lang der Text ist, den ich schreiben möchte.

Kurze Texte, Artikel, Posts.


Wenn ich einen kurzen Artikel oder einen Blog-Post schreibe, beginne ich immer damit, eine rohe Fassung des Textes in eines meiner Notizbücher zu schreiben (von denen ich ja so viele habe, wie jeder weiß, der den Post „Alle Dinge sind leer“ gelesen hat. Dabei geht es nicht darum schon in dieser ersten, handschriftlichen Fassung einen perfekten Text zu schreiben, sondern möglichst schnell alle Gedanken zu Papier zu bringen, die mir zu dem Thema durch den Kopf gehen (kürzen und ordnen kann man auch später noch). Ich könnte natürlich auch einen Texteditor benutzen, weil ich mich durch das Schreiben auf Papier besser auf den Text fokussieren kann und ich das Notizbuch nicht erst hochfahren, mich anmelden und den Editor öffnen muss. Außerdem ist Papier (vor allem, wenn es als Buch gebunden ist) nicht so flüchtig wie elektronische Datenträger - abgesehen von dem Fall, wenn man das Buch abfackelt).

Wenn die erste Rohfassung fertiggestellt ist, produziere ich das Drumherum wie zum Beispiel Bilder, Screenshots, Grafiken, Logos etc. Dann wird das Handgeschriebene in einem schlichten Editor wie Q10 (Abb. 1), Focuswriter  oder Sublime Text (siehe Abb. 2), weil diese eine minimalistische Oberfläche haben, die dem Schreiben nicht im Weg steht.
 
Abb. 1: Der Fullscreen-Editor Q10

Sublime Text schätze ich für das Schreiben längerer Texte, weil ich mit der Minimap schnell durch eine große Textmenge navigieren kann und sehe, wie der Text läuft (zu kurze oder zu lange Absätze etc.).

Abb. 2: Sublime Text 2


Focuswriter benutze ich gerne für Texte, bei denen ich schon ein grobes Layout mit Textauszeichnungen brauche (Abb. 3).

Abb. 3: Focuswriter


Fullscreen-Editoren haben generell den Vorteil, dass man nicht durch irgendwelchen graphischen Firlefanz abgelenkt wird und durch die reduzierte Anzahl an Features die Ladezeit wirklich klein ist. Ein bisschen mag das auch Nostalgie sein, weil die Fullscreen-Editoren mich an meine erste Textverarbeitung auf dem C64 erinnern - man kann das wohl unter Retrofeeling ablegen. Ist der Text dann fertig geschrieben, kopiere ich ihn in den Online-Editor von Blogger und lese das Ganze vor dem Veröffentlichen noch einmal Korrektur.

Längere Arbeiten


Komplexer wird der Arbeitsablauf, wenn es um größere Projekte wie zum Beispiel Bücher geht. Hier beginne ich fast immer damit, auf einem DIN A2-Blatt ein Mindmap (Abb. 4) mit allen Assoziationen, die mir zu dem Thema einfallen, zu zeichnen. Daraus entwickle ich einen Plot / eine Gliederung, der / die mir als weitere Orientierung dient.

Abb. 4: Mindmap für eine Fantasy-Story


Aus meiner Erfahrung als Lektor weiß ich, dass die Manuskripte, die zwar mit Enthusiasmus, aber ohne Plan geschrieben werden, in der Regel die sind, die die größten Probleme verursachen (bis hin zu dem Moment, an dem man im Namen des Autors fasst das ganze Buch neu schreiben müsste, was aber so gut wie nie geschieht, weil solche Manuskripte so gut wie immer nach dem Durchblättern der ersten paar Seiten im Altpapier landen).



Nach dem Plot mache ich mir eine To-Do-Liste. Dazu benutze ich entweder ein paar zusammengeheftete Zettel (absturzsicher!) oder die App Mobislenotes auf meinem Android-Tab (Abb. 5). Dort trage ich ein, welche Punkte ich für mein Projekt abarbeiten muss. Dazu genügt mir eine einfache To-Do-Liste, in der ich Aufgaben und Unteraufgaben eintragen kann. Eine komplexe Projektverwaltung mit Zeit- und Budgetplanung, Ressourcencheck usw. wäre für Ein-Personen-Projekte, wie ich sie mache, auch etwas übertrieben.

Abb. 5: Mobislenotes und ein Zen-to-Done-Timer


Sobald der Plot und die To-Do-Liste stehen, geht es an die Recherche. Dazu nutze ich zunächst die Ressourcen, die ich vor Ort habe, also meine Bücherregale und die Dokumentensammlung auf meinem Rechner sowie meine Notizbücher. Erst dann beginne ich mit der Internet-Recherche, da ich für mich festgestellt habe, dass man, wenn man mit der Internetsuche zuerst anfängt, sich schnell auf der Jagd nach Dokumenten verliert.

Recherche


Indem ich mich auf meinen bestehenden Fundus stütze, kann ich später gezielter nach den Informationen suchen, die  mir noch fehlen. Dabei halte ich mich an folgende Faustregel: E-Books (Epubs und PDFs) und Artikel von Universitäten und Non-Profit-Organisationen sind am ehesten vertrauenswürdig, dann folgen journalistische Angebote wie der Spiegel oder die Zeit, darauf private Websites und schließlich Foren-Einträge und Social-Media-Sites.

Grundsätzlich gilt, dass man sich niemals auf eine Quelle allein stützen kann, wenn man nicht Gefahr laufen will, manipuliert zu werden. Man muss immer gegenchecken, welche Informationen Andere zu diesem Thema bereitstellen und vor allem analysieren, ob das was dort gesagt wird Sinn macht oder nicht. Das ist gute journalistische Praxis und auch für fiktionale Werke nicht schlecht (Abgesehen davon ist ein gesundes Misstrauen auch in allen anderen Lebenssituationen praktisch, wenn man nicht Gefahr laufen will, verarscht zu werden).

Alle Fundstücke, die ich während meiner Recherche finde, werden so schnell wie möglich in passende Kategorien abgelegt. Ausdrucke und Fotokopien landen in Eckspannermappen, die einen festen Platz in meiner für Projekte vorbehaltenen Regalecke bekommen. Fundstellen aus Büchern erhalten eine kurze Notiz auf einem Post-it-Zettel, der an der entsprechenden Stelle eingeklebt wird. Für Ebooks und PDFs nutze ich Calibre (Abb. 6 zur Verwaltung, bzw. um Mobil zu bleiben den Moon+- und den Aldiko-Reader auf dem Tablet (der Tower lässt sich so schlecht auf die Wohnzimmercouch mitnehmen).

Abb. 6: Calibre als Dokumentenverwaltung


Zum Schluss der Recherche schreibe ich mithilfe des Plots ein ausführliches Exposee, in das erste Überlegungen zum Aufbau des Textes und Zitate aus den gesammelten Materialien einfließen. Das ist letztendlich der konkrete Plan, an dem ich mich für den weiteren Ablauf des Schreibprozesses orientiere. Man könnte auch Storyboards zeichen, was ich aber noch nie getan habe, weil sich bis jetzt noch nicht die Gelegenheit dafür ergeben hat. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Storyboard-Methode für visuell denkende Menschen besser eignet als das abstrakte Planen anhand eines Exposees.

Organisation ist alles


Nachdem ich die Recherche beendet habe, schreibe ich in eine Kladde handschriftlich den ersten Entwurf. dabei geht es nicht darum, gleich beim ersten Mal einen perfekten Text zu schreiben, sondern schnell alle Einfälle zu Papier zu bringen, die mir zu dem Thema kommen. Perfektionismus wäre in diesem Stadium nur schädlich. Man wird schlicht dadurch besser, dass man viel schreibt. Mit jedem neuen Projekt nähert sich der erste Entwurf immer mehr dem Endprodukt (schließlich erwartet man ja auch nicht von Jemanden, der noch nie gelaufen ist, dass er gleich einen Marathon läuft). Wie bei allen Dingen im Leben wird man nur durch ständiges Üben richtig gut.Wenn der erste Entwurf geschrieben ist, wird das ganze Projekt abgetippt und die gröbsten Ungereimtheiten beseitigt. Ist der Text schließlich im Rechner, drucke ich den Text aus und lasse ihn ein bis zwei Tage liegen. Dann erst beginne ich mit dem Korrekturlesen. Anschließend werden die Korrekturen in den Text eingearbeitet und das Ganze einem kompetenten Freund zum Gegenlesen gegeben. Hat dieser das Buch auf Unstimmigkeiten und Fehler abgesucht, pflege ich dessen Anmerkungen in das Manuskript ein. Es ist besonders wichtig, diesen zweiten Schritt einzulegen, da ein Zweitkorrektor die Fehler sieht, die einem selbst nicht mehr auffallen. Anschließend geht das Ganze in den Satz (Ich benutze Scribus für feste Layouts und LibreOffice mit dem Plugin „writer2xhtml“ für Epubs | Abb. 7) in dieser Phase werden auch die Bilder usw. in den Text eingebaut. Ist alles zusammengefügt, wird der Text ein drittes Mal auf Fehler abgesucht, die mir entgangen sein sollten oder durch den Satz entstanden sind (falsche Trennungen, fehlerhafte Absätze, Schusterjungen und Hurenkinder, falsche Formatierungen etc.). Danach sollte der Text auf der formalen Ebene zu 99% fehlerfrei sein, was natürlich niemanden daran hindert, inhaltlich völligen Unsinn zu schreiben.

Abb. 7: Das Plugin Writer2xhtml macht LibreOffice zum Autorensystem für Epubs

(Korrektur-)Lesen hilft!


Man kann sich nun fragen, „Warum der ganze Aufriss mit dem Korrekturlesen? Sind vier Durchläufe nicht zuviel?“ Darauf lässt sich am besten mit einem Sinnspruch antworten:

Eine Kathedrale baut man nicht, indem man ein paar Bretter zusammenzimmert.

Gerade bei einem Buch ist es immens wichtig, dass es korrekturgelesen wird, vor allem dann, wenn man die Absicht hegt, das Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Nur wenn ein Manuskript wirklich sauber ist, hat es überhaupt eine Chance, als veröffentlichungswürdig angesehen zu werden. Der Grund ist einfach: Wenn bei einem Lektor täglich rund fünf Manuskripte im Postfach landen, reisen die Texte, die voller Fehler sind, nach ein oder zwei Blicken direkt in die Ablage P und wer will schon für den Mülleimer schreiben, auch wenn er nur virtuell ist? Man kann jedenfalls nicht darauf hoffen, dass der Lektor beim Lesen die gleiche Inspiration fühlt, die der Autor beim Schreiben empfunden hat.

Das gilt natürlich auch für Bücher, die man selbst herausgibt. Da hier in der Regel keine professionelle Instanz dazwischengeschaltet ist, landen alle Fehler, die man vorher gesehen nicht hat, im fertigen Produkt. Tatsache ist, dass ein Buch, in dem dem Leser die Fehler en Masse entgegenspringen, keine gute Visitenkarte für einen Autor ist. Es ist sicher, dass die Leser ein schlecht gemachtes Buch von diesem Autor kaufen und danach nie wieder eines: Schlamperei bleibt am Autor kleben wie Pech. Es sollte klar sein, dass mit einem schlampig geschriebenen und ohne Korrekturlesen veröffentlichten Buch jede Chance begraben wird, jemals bei einem traditionellen Verlag veröffentlicht zu werden.

Professionell schreiben!


Langer Rede kurzer Sinn: Ganz gleich, was man schreibt, man sollte so professionell wie möglich schreiben. Gut organisiert zu sein ist immens wichtig. Dafür muss man sich die Werkzeuge heraussuchen, die einen bei der Arbeit voranbringen. Korrekturlesen ist Pflicht, vorallem dann, wenn man nicht nur für das eigene Tagebuch schreibt sondern etwas veröffentlichen will, was andere lesen (wollen) sollen.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Poesie ist, wenn‘s in den Ohren wehtut




Um euch die Wartezeit bis zur Fertigstellung meines Riesenposts zu verkürzen, gibt es hier eine kurze Randbemerkung über die Dichtkunst (und damit meine ich nicht die Klempnerei):

Neulich habe ich ein altes Notizbuch mit Gedichten wiedergefunden, die ich mit anfang zwanzig geschrieben habe. Nach dem Durchblättern des Buches war mir klar, warum ich das Dichten wieder aufgab. Anbei ein Beispiel:

O.T.

Jeder Baum,
jedes Gesicht
schreit deinen Namen.

Selbst die Stille ist
ein dumpfes Dröhnen.

Da ist nichts,
was die graue Leere
vertriebe,

nichts,
was die Zeit vergessen
machen könnte.

Zwei Stunden können
eine Ewigkeit
sein.

Das ist also einer meiner weniger schlimmen poetischen Ergüsse... Und das ist nur das Stück, dass ich zu zeigen mich getraut habe. Die restlichen „Werke“ sind weitaus schlechter zu ertragen, ganz abgesehen davon, dass alle Zwanzigjährigen offensichtlich schwer von Liebeskummer und Hormonschwankungen gezeichnet zu sein scheinen. Ebenso offensichtlich war ich da keine Ausnahme.

Andere „Poeten“ haben da anscheinend weitaus weniger Skrupel und veröffentlichen fröhlich, was ihnen durch den hirninternen Poesie-Prozessor geflossen ist. Das Ergebnis sieht dann häufig so ähnlich wie dieses hier aus:

Lieber Onkel Theodor,
es kommt mir so vor,
dass wir dich
seit Jahren kennen,
darum wollen wir
deinen Geburtstag
nicht verpennen.

Darum wollen wir
dir sagen,
du sorgst immer gut
für unseren Magen
an diesen großen
Feiertagen.

Desahlb wünschen wir
dir das Beste
und uns noch
viele, viele dolle Feste.

Wer eine größere Familie sein Eigen nennt, wird sicher schon des öfteren das Glück gehabt haben, derartige Dichtkunst von poetisch motivierten Onkeln oder Tanten serviert bekommen zu haben. Im Prinzip ist das auch kein Problem, solange es nicht über den Familienkreis hinauswandert. Als Übung zur Weiterentwicklung sprachlicher Fähigkeiten ist es ja nicht schlecht, wenn man möglichst viel schreibt. Dazu gehört - das liegt nun einmal in der Natur der Sache - viel Schlechtes. Nur sollte man sich vorher gut überlegen, ob etwas tatsächlich veröffentlichungswürdig ist, gerade bei Gedichten. Leider tun das nicht alle.

Das Problem an schlechter Dichtkunst ist nicht, dass sie geschrieben, sondern dass sie veröffentlicht wird.

Wer sich einmal anschauen will, zu was der eigene Computer in Sachen Dichtkunst in der Lage ist, sollte sich einmal das Programm JanusNodes anschauen.

Der Aphorismus des Tages

Arroganz zerstört am Ende immer sich selbst. Die Frage ist nur, wieviele sie mit sich nimmt.

Freitag, 19. Oktober 2012

Nach einer Woche Internet-Abstinenz wieder da!

Hallo zusammen!

Nachdem ich jetzt eine Woche Urlaub sowohl online als auch Offline gemacht habe, melde ich mich wieder zurück. Der nächste Post, dessen Inhalt mehr beinhaltet als "Hallo Leute, ich bin wieder da!" wird noch ein wenig auf sich warten lassen. Ich schreibe gerade an einem verdammt langen Post, in dem ich meinen Workflow für's Schreiben ausbreite. bis ich fertig bin, kann das allerdings noch bis Mitte nächster Woche dauern, je nachdem, wieviel zu erledigende Dinge auf der Arbeit liegengeblieben sind.

Also Leute, schaut rein, es wird ordentlich was zu lesen geben. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Euer Georg.

Samstag, 13. Oktober 2012

Klassentreffen: Steh zu deiner Nerdness!


Neulich war ich auf unserem zwanzigjährigen Klassentreffen, was an sich schon ein eigenartiges Erlebnis ist, weil man all diese fremden Leute wiedertrifft, die man irgendwann einmal gekannt hat. Eigenartiger ist jedoch, dass sich die Leute charakterlich nur wenig verändert haben. Sicher (hoffentlich) haben sie in ihrem Leben etwas dazugelernt, aber in ihrem Kern ist keine grosse Änderung aufgetreten - der Klassenclown macht immer noch die selben billigen Spässe, der Charmebolzen versucht immer noch, seinen Charme zu versprühen und auch die Leute, die schon damals ein wenig einfältig waren, reden immer noch das gleiche dumme Zeug wie vor zwanzig Jahren.

Es gibt aber auch zwei Minderheiten, die sich sehr wohl verändert haben: Die (ehemals) Coolen und die Nerds. Wärend viele von denen, die damals cool und angesagt waren, in ihrem Leben nicht viel zustandegebracht haben, sind viele der Nerds im Leben überraschend erfolgreich gewesen. Meine Vermutung ist, dass das damit zusammenhängt, das die Nerds sich in der Zeit, die die anderen damit verbracht haben, cool zu sein, mit ihren seltsamen Hobbys intensiv beschäftigt haben und so eine Fähigkeit für die Zukunft erwerben konnten, die für ein erfolgreiches Leben immens wichtig ist, nämlich, am Ball zu bleiben. Wenn man als Nerd die ersten zwanzig Jahre seines Lebens überstanden hat, dann ist man in der Lage, jede schwierige Lage zu meistern.

Der Schluss, den man daraus ziehen kann, ist, dass es nicht so wichtig ist, dass ihr anderen gefallt, sondern das tut, was euch wirklich etwas bedeutet (oder lasst euch wenigstens von der Arbeit, die ihr machen müsst, um euer Leben zu finanzieren, nicht so viel Zeit und Kraft rauben, dass ihr dieses Leben nicht mehr führen könnt).

Also Leute, hängt euch nicht an das, was andere von euch wollen, findet heraus, was ihr schon immer gewesen seid - Weckt den Nerd in euch!

Wollte ich, ich wäre ein Anderer, dann wäre ich ein Niemand.







Freitag, 12. Oktober 2012

Schiffsdiebe von Paolo Bacigalupi

Wie liest man einen Roman, der in Amerika als Science Fiction für Erwachsene gelesen wird, aber hierzulande eher als Buch für junge Erwachsene gehandelt wird?
Das Buch schafft es, die Lebenswelt der Schiffsbrecher plausibel darzustellen und die Bilder, die wir heute zum Beispiel aus Ländern wie Indien kennen auf ein zukünftiges Nordamerika zu übertragen.
Der Roman hätte wesentlich düsterer ausfallen können, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück und löst so nicht ein, was ich von einem Buch erwarte, das für Erwachsene geschrieben wurde. Insofern erklärt sich die Einstufung der deutschen Übersetzung als «Young Adult Fiction». Das es sich bei der Erzählung um eine Adoleszensgeschichte handelt, ist dem Eindruck, einen Erwachsenenroman vor sich zu haben, ebenfalls nicht dienlich.

Ich will damit nicht sagen, dass der Roman technisch nicht in Ordnung wäre, er ist gut geschrieben, die Handlung entwickelt sich stringent, wenn auch etwas linear (wie von einer klassischen Heldenreise nicht anders zu erwarten). Es ist auch offensichtlich, dass es dem Autoren gelingt, seine Welt plausibel zu gestalten und heutige Tendenzen in die Zukunft zu extrapolieren. Das Problem des Romans liegt vielmehr darin begründet, dass der Autor nicht weit genug in die Tiefe geht. Er nutzt das Potenzial, das die Welt, die er geschaffen hat, bietet, nicht aus.

Man hätte zum Beispiel die Herkunft der Halbmenschen näher beleuchten, ihren Sklavencharakter stärker herausarbeiten können. So hätte sich aus der Figur Tools wesentlich mehr machen lassen als bloß ein mächtiger Beschützer, der schon bald wieder abtritt. Auch der Verrat Sloths an Nailer und dessen Folgen wären ausbaufähig gewesen. Im Prinzip krankt die ganze Erzählung daran, dass sie eben nicht die Abgründe auslotet, die implizit in ihr angelegt sind. Dem Roman hätte insgesamt mehr Raum gegeben werden müssen. Die Folge ist, dass er endet, bevor die Entwicklung tatsächlich in Gang gekommen ist.

Das ist besonders deutlich, wenn es um die Schiffsreise auf dem Klipper geht. Nachdem zwei Drittel der Erzählung für die Flucht aus dem Schiffsbrecherlager in die Stadt verwandt wurden, bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Leben auf dem Schiff darzustellen. Hier hätte man an die klassischen (See-)-Reiseerzählungen von der Odyssee bis zu Melvilles Moby Dick anknüpfen können, was aber leider nicht geschehen ist. Nailers Arbeit auf dem Schiff ist ebenfalls schnell und ein wenig oberflächlich abgehandelt.

Schließlich kehrt er mitsamt der Dauntless (das Schiff, dass der Firma des Vaters von Nita gehört) an den Ort zurück,den er am Anfang seiner Reise zurückgelasen hat, um seine Gegner und seinen ihn misshandelnden Vater zu besiegen. Der Roman endet damit, dass ihm und seiner Familie (Freundin + Mutter) die Chance auf ein besseres Leben gewährt wird. -- Bei diesem Erzählablauf handelt es sich um die klassische Reise des Helden, wie sie von Joseph Campell beschrieben wurde: Der Held (Nailer) wird unverschuldet aus seinem alltäglichen Leben gerissen. Er begegnet einem Wesen aus einer anderen Welt (in diesem Falle aus einer kulturell anderen Schicht), das ihn auf eine Reise schickt, er muss Ungeheuer überwinden (seinen Vater und dessen Kumpane), bekommt auf seiner Reise übernatürliche Hilfe (in Form von Tool), muss weitere Hindernisse überwinden und sich in einer Schwellensituation (Übergang zwischen Wasser und Land in einer Stadt die auf Stelzen steht) bewähren, um schließlich mit neuen Fähigkeiten und Gefährten an den Ort seiner Herkunft zurückzukehren, um das Böse zu zerstören und die Ordnung der Dinge wieder herzustellen.

Wer sich bei diesem Ablauf der Handlung an die originale Star Wars-Trilogie erinnert fühlt, liegt nicht falsch, da auch George Lucas sich an den Theorien Campells orientiert hat.
Was nach der Lektüre bleibt, ist das Gefühl, dass man aus dem Grundgerüst der Erzählung mehr hätte machen können, etwas tiefergehendes, komplexeres als das, was nun als Buch vor den Augen des Lesers liegt. Hier wurde offensichtlich eine gute Idee verschenkt und ein Brett gebohrt, das wesentlich dicker hätte sein können, schade!

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Schreibe niemals über die Geschichten, die du liebst!


Ich habe mir irgendwann einmal vorgenommen, niemals einen Sachtext über die Geschichten zu schreiben, die ich liebe.

Warum? – Weil ich denke, dass dabei nichts Gutes herauskommt. Um einen Text analysieren zu können, darf man emotional nicht zu nahe an ihm dran sein, denn dadurch verliert man den objektiven Blick auf die Sache. Man sieht das Ganze erst aus einer gewissen Distanz gut. Ist diese nicht gegeben, so mag man zwar viele verspielte Details erkennen können, was seinen ganz eigenen Reiz haben mag, aber man sieht die Zusammenhänge nicht.

Das ist ähnlich wie in einer Beziehung. Einerseits ist man einander sehr vertraut, andererseits ist man selbst derjenige, der den Partner am schlechtesten beschreiben kann, weil man für die Eigenschaften, die man an diesem liebt, keine Worte findet oder aber ins Schwafeln gerät, was auf's selbe hinauskommt. Oder, um es poetischer auszudrücken:

Tausend Worte sagen soviel wie keines, nämlich nichts.

Das selbe Problem ergibt sich beim Interpretieren von Literatur. Wenn man zu nahe an einem Text ist, dann trübt das den Blick für die Zusammenhänge und führt dazu, dass man schlechte Literaturwissenschaft bzw. Kritik betreibt, die sich entweder in belanglosem Gerede verliert (das sich möglicherweise als postmodern verkaufen lässt), oder aber merkwürdig wortleer bleibt, weil man nicht die passenden Worte findet, die beschreiben könnten, was das spezifisch Besondere dieses einen Textes ausmacht.

Ich denke, dass man an Texte in einer Art herangehen sollte, die - so denke ich - am ehesten der Art und Weise entspricht, in der gute Ärzte ihre Patienten befragen: Mit freundlichem Interesse, aber auf das Ziel gerichtet, die Symptome der zugrundeliegenden Krankheit zu erfassen, um diese behandeln zu können. Für den Text bedeutet das, dass der Analytiker das Funktionieren des Textes aufschlüsseln muss, sehen muss, welche Schreibweisen und Techniken welche Wirkung hervorrufen. Dies bewirkt immer ein besseres Verständnis des Textes, sei es nun, dass es einem zeigt, wie ein guter Text funktioniert oder aber, warum ein schlechter Text scheitert.